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Obszön

Das Anthropozän-Projekt. Eine Enzyklopädie

Schmutzig, schamlos, pervers, pornös, igitt. Verstöße gegen die Sittlichkeit, wenn man denn Sittliches empfinden kann. Meist im Bezug auf Geschlechtsteile oder anmaßende Forderungen nach Paarungswilligkeit. Mithin schon etwas obzön, wenn Öl und Müll ins Meer ausfließen, Bergspitzen gekappt und Dünger zu Gift oder Samen zu Spekulationsobjekten werden. Wie obszön sind Ausdehnung und Entgrenzung im Verdrängungswettbewerb von Markt und Nationalismus? Fressen und gefressen werden. Das Geld regiert die Welt, Gott ist tot. Das klingt wild und ebenso schamlos, wie der Vereinigung von Mensch und Technik beizuwohnen, an der Börse zu spekulieren oder Gestalten wie Frankenstein und Terminator zu ersinnen. Ach, ein ungeheuerliches Potential von Wissenschaft, Markt und Politik, Kreaturen zu schaffen und die Grenzen der Moral zu verletzen. Überhaupt Moral, geht es denn nur noch um Belastungsgrenzen? Ist nicht bekannt, dass bei Grenzverletzungen die Kränkung bleibt und Traumata entstehen? Wer soll das noch therapieren! – Wie engstirning wirkt das Ganze aus dem Weltall, Horizonte und Grenzen so nichtig. Das Obszöne verliert sich mit der Entfernung. Ruhe kehrt ein, Betroffen nur die, die zu nah dran sind und nicht handeln können. Willkommen im Zeitalter des Obszönen!