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Autochthonie

Das Anthropozän-Projekt. Eine Enzyklopädie

Als der Mensch sesshaft wurde, autochthon an die Erdscholle gebunden, – so will es die Kulturgeschichte – entwickelte sich durch Ackerbau und Viehzucht Zivilisation. Über die Jahrtausende hinweg formte der Mensch Kulturlandschaften, markierte Äcker, bohrte sich in Berge, baute Siedlungen und nahm die Erde in Besitz. Die wurde zum Material für Fortschritt und Wachstum - in nur einem Wimpernschlag der Erdgeschichte zunehmend rapide und unbändiger. Kurz davor, die Belastungsgrenze des Planeten zu erreichen und mit ungewissem Ausgang stolpern die zivilisierten Erdlinge nun inmitten ihrer Schöpfungen auf dem Erdball herum, reproduzieren, konsumieren, streiten und forschen hektisch und unter steigendem Druck für ihr Überleben auf der Erde. Aber weg von der globalen Perspektive: Ist Einheimischsein im Anthropozän überhaupt noch zeitgemäß? In Teilen des Amazonas, Australiens, Alaskas oder Indonesiens zum Beispiel wird ganz generell diskutiert, was auf welches Land gehört (Kühe? Minen? Militär? Soja? Politiker? Wald?). Die ortsansässigen Akteure spielen meist nur eine nachgeordnete Rolle. Mit Blick auf die weltweiten Migrationsströme verliert sich die Bodenhaftung generell. Was bedeutet es eigentlich, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren, und was genau bedeutet „Zivilisation“?