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Do, 19. März 2020

Carrier Bag Fiction

Metahaven und Rob Schröder | Possessed (2018), film still

Metahaven und Rob Schröder | Possessed (2018), film still

Geschichten vom Jagen und Erlegen haben seit jeher vermittelt, dass nur heroische Taten Einzelner den Rahmen großer Erzählungen bilden können. In ihrem 1986 erschienenen Essay The Carrier Bag Theory of Fiction entwirft die visionäre Sci-Fi-Autorin Ursula K. Le Guin eine feministische Technologiegeschichte, die den kollektiven Lebensunterhalt in den Mittelpunkt stellt und das Erzählen als Werkzeug für die Weltgestaltung nutzt.

Nach dieser alternativen Theorie menschlicher Evolution waren die primären Erfindungen der Menschheit eben nicht phallische Jagd- und Kampfwaffen, sondern „Carrier Bags“, einfache Behälter, mit denen sich Gesammeltes nach Hause tragen ließ: der Korb mit wildem Hafer, das Medizinbündel, das Netz aus eigenem Haar. In ihrem Essay schlägt Le Guin eine Abkehr von linearen, konfliktzentrierten Heldengeschichten vor und skizziert die Erzählhaltung einer Sammlerin. Denn Sammler*innen können in gänzlich andere Vorstellungswelten vordringen – solche, in der sich Dualismen wie hell und dunkel, weiblich und männlich, gut und böse auflösen. Oder in den Worten von Donna Haraway: „Es ist von Gewicht, welche Geschichten Welten machen und welche Welten Geschichten machen.“

Mit einem einleitenden Essay von Donna Haraway und Illustrationen von Lee Bul wurde The Carrier Bag Theory of Fiction nun als Einzelpublikation veröffentlicht. Zusammen mit Autor*innen und Künstler*innen erforschen die Herausgeber*innen Sarah Shin und Ben Vickers diesen subversiven Essay und stellen Positionen vor, die von ihm inspiriert sind.

Mit Sarah Shin, Ben Vickers u. a.

In Kooperation mit Ignota Books