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Do, 24. Juni 2021

#Instituting

Mit Stefano Harney, Fred Moten, ruangrupa u. a.

Wie können Prozesse der Selbstorganisation und des kollektiven Handelns heute aussehen? Inwiefern können sie öffentliche Prozesse gesellschaftlicher Improvisation beeinflussen? Und wie können solche Formen des „Instituting“ andere Institutionen schaffen? Im Dialog mit praktischen und theoretischen Positionen wird „Instituting“ als offener, flüchtiger und damit permanenter Prozess gedacht, der ständig nach neuen Wegen der Interaktion mit den spezifischen sich herausbildenden Begrenzungen des Hier und Jetzt sucht. In ihrem Buch Now (2017) argumentiert das Invisible Committee, dass „wir in Wirklichkeit nicht Institutionen, sondern Formen brauchen... Alles was lebt ist allein Form und Interaktion von Formen.“ Wie lässt sich an der Untersuchung dieses Prozesses ansetzen, an dieser sich entwickelnden Mutation und Neudefinition von Formen als sozialer Improvisation, die mit den aufkommenden Vorstellungen und Fantasien eines lebbaren Lebens eng verwoben sind?

Mit Beiträgen von Fred Moten & Stefano Harney; ruangrupa (Reza Afisina, Iswanto Hartono, Farid Rakun und Andrea Linnenkohl) und Adania Shibli

Mit Workshops von Associação das Prostitutas de Minas Gerais – APROSMIG & melke; Berit Fischer; diffrakt, Simon Fleury, Sam Nightingale, Chara Stergiou & Aslı Uludağ , Co-Hab Athens & Constantina Theodorou und SAVVY Contemporary (Lynhan Balatbat-Helbock, Sagal Farah, Kelly Krugman)

Kuratiert von Gigi Argyropoulou und Kostas Tzimoulis in Zusammenarbeit mit Eight/Το Οχτώ, dem Goethe-Institut Athen und dem Projekt Minor Universality der Universität Saarland

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Donnerstag 24.06.

19h OESZ (Athen) / 18h MESZ (Berlin)
Eröffnung

19.30h OESZ (Athen) / 18.30h MESZ (Berlin)
lumbung: A Study Case on Relations
Gespräch mit ruangrupa (Reza Afisina, Iswanto Hartono, Farid Rakun und Andrea Linnenkohl)

Könnte das kuratorische Arbeiten als eine Art loses Bündel von Linien gesehen werden, die verschiedene eigenständige Knotenpunkte miteinander verknüpfen? Wie funktionieren künstlerische und wirtschaftliche Modelle in der Praxis, wenn sie kollektiv, gemeinschaftlich im Zugang zu Ressourcen und gerecht in der Umverteilung organisiert sind? Und wie könnten solche prozessorientierten Zugänge bei einer der wichtigsten Ausstellungen der Welt Form annehmen?
ruangrupa begreifen sich als Organisation nicht über Mitgliedschaften oder ihre enge Gemeinschaft, sondern als Pool geteilter Ressourcen. Zentral ist das Lernen von anderen Kontexten, Orten und Zeiten. Als das erste zur künstlerischen Leitung der documenta ernannte Künstler*innen-Kollektiv sieht ruangrupa die documenta fifteen (Kassel, 2022) als eine Möglichkeit, die zentralen Fragen ihrer Praxis, Fragen nach kollektiver Tragfähigkeit und Governance, weiterzuentwickeln. In diesem Sinn wurde für die documenta fifteen kein neues Konzept entworfen, sondern die documenta wurde (zurück) eingeladen, sich auf den von ruangrupa eingeschlagenen Weg einzulassen. Die kuratorische Strategie ruangrupas umkreist dabei den Begriff lumbung, eine Reisscheune, in der sich die gemeinschaftlich produzierten Ressourcen aller für die Zukunft befinden. Ihr Beitrag bei der New Alphabet School dreht sich um die Frage, wie die oft übersehenen künstlerischen und kulturellen Formen des Instituierens gestärkt werden können und inwiefern eine Organisation wie die documenta Teil eines derartigen Ökosystem sein kann, anstatt es auszustellen.

20.15h OESZ (Athen) / 19.15h MESZ (Berlin)
Abolitionismus und Exodus
Gespräch mit Fred Moten und Stefano Harney

So wie Widerstand und Flucht sind auch die Abschaffung der bestehenden Verhältnisse (abolition) und der Ausstieg aus dem System (exodus) weder zwei strikt voneinander getrennte Optionen noch fallen sie zusammen. Vielmehr ist es von entscheidender Bedeutung, die intra-aktiven und inter-passiven Aspekte dieser beiden Alternativen in den Blick zu bekommen und strategisch zu nutzen. Gerade in Zeiten, wenn auch die Unterscheidung zwischen performativen und konstatierenden Äußerungen ihre Geltung verloren zu haben scheint. In ihrem Gespräch geht es Fred Moten und Stefano Harney um nicht-ortsgebundene Formen von Solidarität und sie diskutieren eine Bewegung, die die metaphysischen Grundlagen der politischen Ontologie verlässt und sich der gesellschaftlichen Performanz sozialer Existenz zuwendet. Der Rapper KRS-One und der Soulmusiker Curtis Mayfield werden sie dabei als ihre großen Lehrer auf dem Weg leiten. Es geht um eine Veränderung, die weder unbegrenzt noch verschwindend gering ist.

21h OESZ (Athen) / 20h MESZ (Berlin)
Diskussion
mit Stefano Harney, Fred Moten und ruangrupa, moderiert von Gigi Argyropoulou

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