Mi, 03. Februar 2021

Black Italy

Mit Ingrid Greenfield, Angelica Pesarini, Maria Stella Rognoni, Eike Schmidt, Justin Randolph Thompson, moderiert von Angelika Stepken

Piero di Cosimo, Perseus befreit Andromeda (Detail), 1510-1515 | Galleria degli Uffizi (Public domain via Wikimedia Commons)

Piero di Cosimo, Perseus befreit Andromeda (Detail), 1510-1515 | Galleria degli Uffizi (Public domain via Wikimedia Commons)

Das Fest- und Fortschreiben von Geschichte ist zugleich eine Form der Auslöschung und des Verlusts. Italien ist seit Jahrhunderten ein Einwanderungsland; ein Fünftel der ausländischen Bürger*innen in Italien ist heute afrikanischer Herkunft. Doch werden die Kulturen der afrodiasporischen Communities aus dem Kanon ausgeblendet. Wie – und von wem – kann Geschichte neu erzählt werden?

Afrodiasporische Spuren bleiben weitgehend unsichtbar – seit den kolonialen Eroberungen bis heute. Sie sind allenfalls in vernachlässigten Archiven der Kolonialzeit zu finden. Ihre Präsenz in musealen Sammlungen bleibt stumm. So wird ein Kanon (re)produziert, der zahllose Akteur*innen und Hinterlassenschaften der Vergangenheit dauerhaft ausschließt. Wie sind Archive, Sammlungen und Museen in diese Prozesse involviert?

Der afroamerikanische Künstler Justin Randolph Thompson hat seit 2016 mit seiner Initiative Black History Month Florence ein Netzwerk für Schwarze kultureller Produktion aufgebaut, das die Diversität der afrodiasporischen Kulturen in Italien feiert.

Mit dem Projekt On Being Present: Recovering Blackness in the Uffizi Galleries haben seine Recherchen nun auch den „Kanon“ selbst involviert: Das virtuelle Ausstellungsprojekt mit der Uffizien-Galerie analysiert die bislang sprachlose Repräsentation von Black Lives in der Gemäldesammlung des Museums und öffnet so neue Zugänge zu einer anderen Geschichtsschreibung.

Mit weiteren Expert*innen diskutiert er vor Ort über die Sichtbarmachung von Blackness im Selbstverständnis der Renaissancestadt Florenz und einer der bedeutendsten europäischen Kunstsammlungen. Wie können Geschichte und Gegenwart neue Perspektiven jenseits kolonialer Hegemonien eröffnen?

Teil der Reihe The Broken Archive – eine Kooperation von Villa Romana und HKW gefördert durch das Auswärtige Amt im Rahmen von Das ganze Leben. Ein Archiv-Projekt