So, 10. November 2019

„Die Verschwulung der Welt“

Thematische Führung mit Joachim Helfer

Tiona Nekkia McClodden | Videostills aus: The Labyrinth 1.0, 2017 | © Tiona Nekkia McClodden, courtesy of the artist and Company, New York

Tiona Nekkia McClodden | Videostills aus: The Labyrinth 1.0, 2017 | © Tiona Nekkia McClodden, courtesy of the artist and Company, New York

2006 erschien das Skandalbuch Die Verschwulung der Welt. Der libanesische Autor Rashid Al-Daif schildert darin mit dem Blick des Ethnologen seine Begegnung mit dem schwulen deutschen Kollegen Joachim Helfer, dieser antwortet ihm essayistisch. Wie im Werk Hubert Fichtes, aus dem der (deutsche) Titel dieses literarischen Dialogs stammt, geht es darin um den Blick auf das Andere – hier insbesondere auf den Umgang mit nicht heteronormativer Sexualität. An der Grenze der Genres Erzählung, Reportage und Essay schillernd, löste das Gemeinschaftswerk eine Debatte mit teils heftiger Ablehnung aus. Darf man so naiv über die eigene Wahrnehmung des Anderen schreiben? Genau diese Frage wirft für heutige, in Begriffen von Identität und Positionierung geschulte Leser*innen die Begegnung mit den ethnologisch interessierten – oder inspirierten? – Romanen und Essays Hubert Fichtes aus. Sein unbekümmerter – oder unempfindlicher? – Zugriff auf das Fremde löst Befremden aus. Die Ausstellung Liebe und Ethnologie versammelt Reaktionen von Künstler*innen aus den von Fichte besuchten und beschriebenen Orten. Worin besteht Fichtes Utopie der „Verschwulung“ der Welt? Besteht sie im Aufweichen und Verwischen aller Grenzen zwischen Identitäten und Positionierungen? Welche Strategien bietet sie in einer Gegenwart, die vor lauter Empfindlichkeit Gefahr läuft, nur noch vom Eigenen sprechen zu können und zu wollen? Diesen Fragen geht Joachim Helfer auf seinem Rundgang nach.