Sa, 26. Mai 2018

Maria Stavrinaki: Gang durchs Neolithikum: Dauer, Wiederkehr, Ende.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal in der Rezeption des Neolithikums und des Paläolithikums ist, dass ersteres sich nie offenbart hat. In seinen megalithischen Ausprägungen war es immer Teil der Landschaft und wurde nach wechselnden Legenden und Märchen als weit zurück reichender, gleichwohl völlig rätselhafter Ursprung gedeutet. Maria Stavrinaki konzentriert sich in ihrem Vortrag auf Episoden des Umgangs mit dem Neolithikum, nachdem dieses als klar umgrenzte vorgeschichtliche Periode bestimmt und von Fachleuten scharf gegen das Paläolithikum abgegrenzt worden war. Stavraki erörtert zunächst das Aufgreifen des Neolithikums durch die englische Moderne in den 1930er Jahren und deren ideologisch zwiespältige Haltung zu Weltwirtschaft und Weltpolitik, Maschinen- und Massenzeitalter. Als Kontrapunkt dient ihr der Vergleich mit dem Neolithikum amerikanischer Künstler der Sechziger- und Siebzigerjahre wie Robert Morris und Robert Smithson. Anhand einer Auseinandersetzung mit Diskursen und Arbeitsweisen, die als Reaktionen auf Hiroshima entstanden, beschreibt sie abschließend die Entwicklung bis zu dem Punkt, an dem Theorie und Kunst das Ende des Neolithikums verkündeten.

Maria Stavrinaki ist Assistenzprofessorin für Geschichte und Theorie zeitgenössischer Kunst an der Université Paris I – Panthéon-Sorbonne. Sie forscht zum Verhältnis von Kunst, Humanwissenschaften und Politik. Zu ihren neueren Veröffentlichungen zählen Dada Presentism: An Essay on Art and History (2016), sowie Bücher zu den künstlerischen Avantgarden in Deutschland und Carl Einstein. Sie arbeitet zurzeit an einem Buch über die prähistorische Moderne und ist Ko-Kuratorin einer Ausstellung zum selben Thema am Pariser Centre Pompidou (2019).

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930