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Beweis

Das Anthropozän-Projekt. Eine Enzyklopädie

Wie neutral sind Beweise? In Fernsehserien und -krimis haben Gerichtsmediziner und Kriminaltechnologen die Dauerverhöre der Kommissare längst ergänzt oder sogar abgelöst. Auf der Mattscheibe reicht das Feld der Beweissuche inzwischen wissenschaftlich versiert von der Knochenanalyse bis zur Auswertung kleinster Teilchen, die meist publikumsgerecht in 30 bis 90 Minuten ein überzeugendes Ganzes ergeben. Auch in der Realität steht hinter Beweisen der Versuch, andere von einer unwiderlegbaren Wahrheit zu überzeugen, rhetorisch. Wie überzeugend Beweise sind, entscheiden Richter nach der Prüfung. In dem Zusammenhang – wie beweist man z.B. politische Verbrechen oder Umweltverbrechen, welcher Instanz legt man sie vor? Wer und wann? Nach dern Sturz des Diktators oder 30 Jahre nach einem mißglückten Hilfsprojekt, um das sich noch zig andere Kausalitäten ranken? Angesichts der Möglichkeiten neuer Technologien und den wachsenden Datenbergen scheinen die Beweise im Zeitalter des Anthropozäns nicht weniger zu werden und die Rhetorik zunehmend komplexer. Vielleicht kann es nicht schaden, wenn das Forum um Beweisstücke, aber auch Interpretationen und Öffentlichkeiten erweitert wird, wie im Rahmen der Forensis vorgeschlagen.