So, 27. Mai 2018

Charles W. Haxthausen: „... kein Buch über Braque“. Anmerkungen zu Einsteins „Monografie“.

Die inneren Widersprüche und Spannungen in Carl Einsteins letzter Veröffentlichung treten schon im Titel Georges Braque zutage: Denn dieses Buch handelt, wie Einstein einem Freund anvertraute, in Wirklichkeit gar nicht von Braque. Mit Abbildungen von 102 Werken Georges Braques und einer prachtvollen Sonderedition mit zwei Originalradierungen des Künstlers hatte Georges Braque allerdings alles, was man von einer Monografie erwarten konnte. Doch der Text bestätigt Einsteins eigene Einschätzung. Eigentlich ist dieses Buch eine Art Flickenteppich widersprüchlicher Verkündungen über das Schicksal der Kunst in der Moderne. Es enthält Einsteins letzte Formulierung seiner Utopie und zugleich schon die Andeutungen ihres bevorstehenden Zerfalls.

Charles W . Haxthausen ist emeritierter Robert Sterling Clark Professor of Art History am Williams College, USA . Er hat zahlreiche Artikel zur modernen und zeitgenössischen Kunst sowie Kunstkritiken mit Schwerpunkt auf Deutschland verfasst. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Berlin: Culture and Metropolis (1990, mit Heidrun Suhr), The Two Art Histories: The Museum and the University (2002), sowie Sol LeWitt: The Well-Tempered Grid (2012). Seine Übersetzungen ausgewählter Kritiken von Carl Einstein erscheinen unter dem Titel A Mythology of Forms im Frühjahr 2019.

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930