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Die Shortlist des Jahres 2013

Am 29. April wurde die Shortlist 2013 bekannt gegeben:
„Die im fünften Preisjahr nominierten Titel der Shortlist wagen äußere und innere Grenzüberschreitungen. Echoräume werden ausgelotet, in denen die Vielfalt der Stimmen die aneinander zerrenden Kräfte der Gegenwart in Szene setzt. Dies gelingt Debütanten wie Altmeistern, Querulanten wie streunenden Hunden“, kommentierte die Jury ihre Entscheidung.

Folgende Autoren und deren Übersetzer waren 2013 mit ihrem Werk nominiert (in alphabetischer Reihenfolge der Autoren):

Andrej Bitow: Der Symmetrielehrer
Suhrkamp Verlag 2012, aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
(Prepodavatel' simmetrii, Roman-ėcho, Fortuna Ėl, Moskau 2008)
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Kommentar der Jury:
„Andrej Bitow, der subersive ‚Klassiker‘ der zeitgenössischen russischen Literatur, bekannt für so wunderbare Romane wie ‚Das Puschkinhaus‘, legt mit ‚Der Symmetrielehrer‘ ein ebenso vertracktes wie virtuoses Buch vor. Profund und verspielt, ironisch und poetisch vereinigt Bitows kunstvoller Intarsien-Roman, der das Genre quasi neu erfindet, eine Vielfalt an Themen und Stilen. Rosemarie Tietze hat die sprachliche Polyphonie, die Wortspiele und anagrammatischen Wendungen ingeniös wiedergegeben.“

Teju Cole: Open City
Suhrkamp Verlag 2012, aus dem Englischen von Christine Richter-Nilsson
(Open City, Random House, New York 2011)
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Kommentar der Jury:
„Teju Cole ist mit Open City ein überragendes Erzähldebüt gelungen. Der in den USA lebende, aus Nigeria stammende „Afropolitan“ schickt seinen Romanhelden Julius in New York auf den Weg der Selbstfindung. Coles detailgenaue, rhythmisierte Prosa erzeugt einen Sog, der den Leser mitnimmt und überzeugt. Sein Buch besticht durch den existenziellen Ernst und die Wahrhaftigkeit des Erzählers, der jenseitskultureller Klischees wie ein Medium die Konflikte der globalisierten Welt registriert. Christine Richter‐Nilssons Übersetzung fängt die Musikalität des Romans, die sich überlagernden Stimmen und Stimmungen des Großstadtflaneurs mit sprachlicher Eleganz ein.“

Teju Cole und Christine Richter-Nilsson waren Preisträger des Jahres 2013.

Die Laudatio von Juror Hans Christoph Buch

Lloyd Jones: Die Frau im blauen Mantel
Rowohlt Verlag 2012, aus dem Englischen von Grete Osterwald
(Hand me down world, Text Publishing Company, Melbourne 2011)
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Kommentar der Jury:
„Der neuseeländische Autor Lloyd Jones schildert mit allen Kunstgriffen postmoderner Erzählkunst das Schicksal einer jungen Afrikanerin, die sich auf der Suche nach ihrem Kind, das der in Deutschland lebende Vater ihr gestohlen hat, nach Berlin durchschlägt und unterwegs nicht nur ihre weibliche Ehre, sondern auch ihre Menschenwürde verliert. Der virtuos geschriebene Roman überzeugt durch die kaleidoskopische Konstruktion, mit der er die Stationen des Exils Revue passieren lässt. Er ist verstörend, ist welthaltig, ist von heute. Er ist stilistisch, sprachlich und sehr geschickt geschrieben und immer wieder kommt so etwas wie ungezwungene Poesie auf. Grete Osterwald kommt mit ihrer Übersetzung dem Original bemerkenswert nahe.“

Valeria Luiselli: Die Schwerelosen
Verlag Antje Kunstmann 2013, aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz
(Los Ingrávidos, Editorial Sexto Piso, Mexico 2011)
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Kommentar der Jury:
„Das herrlich verspielte, verästelte Debüt der Mexikanerin Valeria Luiselli besticht durch die Parallelmontage zweier Biographien, zweier Aufzeichnungsstränge und das mühelose Verweben von Epochen, von Lebenden und Toten. Dieses Miteinander und die anhaltende Unschärfe verschiedenster Grenzen erinnert entfernt z.B. an Juan Rulfos ‚Pedro Páramo‘. Das Ganze ist leichtfüßig, skurril und melancholisch, voller literarischer Anspielungen und Gespenster (wie Ezra Pound in der Subway). Luiselli: Eine neue Stimme, die sich klugen Nonsens traut und dabei ihrer Sprache vertraut. Exzellent übersetzt von Dagmar Ploetz.“

Zakhar Prilepin: Sankya
Matthes & Seitz Berlin 2012, aus dem Russischen von Erich Klein und Susanne Macht
(Sankya, Ad Marginem Press, Moskau 2006)
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Kommentar der Jury:
„Prilepin erzählt bildkräftig von Demonstrationen, geglücktem und misslungenem Widerstand, auch von Liebe und mit ihr einhergehend von Verrat, ein Bild, das die Verlorenheit einer Generation erzählt, die sich politisch einbringen möchte, dazu aber keine Gelegenheit hat, im Gegenteil, die abgewürgt wird. Fakten und Fiktion in einer Mischung, die nicht nur ein spannendes Buch ergeben, sondern tatsächlich aus einem Russland erzählen, das unmittelbar heute angesiedelt ist. Prilepin führt mit seiner Sprachkunst, einmal die feine, ja zarte Klinge, dann wieder geballt kräftig und bildstark, seinen Sankya durch ein Leben, an dessen Ende die Einsicht steht: ‚Alles wird gleich, im nächsten Augenblick, zu Ende gehen, und – nichts wird zu Ende gehen, alles wird weiterhin so sein, nur so.‘ Die Übersetzung von Erich Klein und Susanne Macht vermittelt bravourös das Original.“

Jean Rolin: Einen toten Hund ihm nach
Berlin Verlag 2012, aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
(Un chien mort après lui, P.O.L. Editeur, Paris 2009)
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Kommentar der Jury:
„Jean Rolin ist ein Meister der Reportage, ein hinreißender Erzähler. Es ist ein wahres Vergnügen, ihm zu folgen. Quer durch die Welt, den Rändern entlang, wie der Untertitel festhält, erfahren wir, wie abseitig die unterschiedlichen Gesellschaften mit Tieren, hier mit Hunden, umgehen, was einen Rückschluss natürlich auf den Umgang mit Menschen und jenen mit Menschen unter sich zulässt. Rolin überzeugt durch die zarte Lakonie des Erzählers, der sich, ohne je didaktisch oder gar zynisch zu werden, so weit wie möglich zurücknimmt und den Lesern anheim stellt, ihre eigenen Schlussfolgerungen aus dem Text zu ziehen. Wunderbar übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller, getreu und sehr glatt zu lesen.“