So, 17. November 2019

Afro-Sonic Mapping: Closing Talks

Mit Rui Vieira Nery und Fred Moten

18h
Networks of Sound in Portuguese Early Music
Rui Vieira Nery

Die portugiesische Musiktradition wurde durch Gesangs- und Tanzelemente aus den lusophonen Kolonien wie Angola, Mosambik, Kap Verde oder Guinea-Bissau geprägt. Im Kontrast zur musikwissenschaftlichen Forschung, die die musikalischen Einflüsse aus diesen Regionen und der afro-brasilianischen Diaspora auf portugiesische Musik erst ab dem 19. Jahrhundert betrachtet, zeichnet der Musikwissenschaftler Rui Vieira Nery die frühen afro-diasporischen Netzwerke von Klängen und Tänzen nach: vom heiligen Villancico im 16. Jahrhundert über Bühnentänze im 18. Jahrhundert, Fofa und Lundum, bis zum Fado im frühen 19. Jahrhundert. Vieira Nery diskutiert in seinem Vortrag symbolische Konflikte und Verhandlungen, Kulturaustausch und musikalische Fusion.

19.15h
Symphony of Combs
Fred Moten

Haarkämmen kann als ritueller Akt mit sozialer Bedeutung angesehen werden – als Orientierungshilfe, Kartierung, Spurensicherung und Formgebung. Fred Moten interpretiert Satch Hoyts Performance Hair Combing Cycle (seit 2014) als „sonikartografische Frisur“ und entschlüsselt die Implikationen des Konzerts, in dem das Kämmen der Haare der Künstler*innen hörbar wird. Klanglich bildet das Haar die Migration ab, in der es vorwärtsgetrieben, zurückgedrängt und begehrt wird. Verstehen lässt es sich als „gemeinsame, generative Diffusion, als weitreichendes Miteinander“, als Metapher für die afrikanische Diaspora. Ausgehend vom Hair Combing Cycle liest Moten Werke der afro-peruanischen Künstlerinnen Susana Baca und Victoria Santa Cruz. Zwischen Kritik und Poesie verfolgt und zeigt Moten ihre Resonanzen und Assoziationen zum Projekt Afro-Sonic Mapping auf.