Afro-Sonic Mapping

Tracing Aural Histories via Sonic Transmigrations
November 2019

Satch Hoyt | Afro-Sonic Map – Atlantic Blue (2017) | Courtesy the artist

Satch Hoyt | Afro-Sonic Map – Atlantic Blue (2017) | Courtesy the artist

Welche musikalischen Muster erhielten sich in afrodiasporischen Klängen und trotzten so Zeit und erzwungener Migration? Welche klanglichen Verwandtschaften bestehen zwischen Dakar und New Orleans oder zwischen Lagos, Kingston und New York City? Welche Spuren haben Aneignungen, Transfer- und Transformationsprozesse in Klängen und Rhythmen hinterlassen?

Afro-Sonic Mapping nimmt frühe Musik-Aufzeichnungen aus Angola, Nigeria, dem Kongo oder Senegal als Ausgangspunkt: Aufgenommen wurden sie u. a. von den europäischen Anthropolog*innen Leo Frobenius, Northcote Thomas und Karl Edvard Laman zwischen 1890 und 1907. Während ihrer Forschungsreisen in Zentral- und Westafrika erstellten sie mit dem damals neu erfundenen Phonographen Tondokumente, die heute zum Teil im Berliner Phonogramm Archiv oder der British Library zu finden sind.

Welche Resonanzräume erzeugen diese anthropologischen Aufnahmen heute? Der Künstler und Musiker Satch Hoyt rekontextualisiert diese Klanglandschaften: Er begreift sie als akustische Kartierungen von Geschichte – Zeugnisse von Versklavung und Vertreibung aber auch von Widerstand und Ermächtigung. In ihnen sind rhythmische Codes eingeschrieben, die heute noch wirken. Hoyt führt die frühen anthropologischen Aufzeichnungen zurück an ihre Entstehungsorte wie Luanda oder Kinshasa und verfolgt die Spuren der Musik des Black Atlantic bis nach Salvador de Bahia oder Lissabon. So sucht er musikalische Verbindungen zwischen den historischen Tonaufnahmen und Rhythmen und zeitgenössischen Klängen der postkolonialen Städte: Er konfrontiert lokale Musiker*innen mit den alten Tonaufnahmen und entwickelt gemeinsam mit ihnen neue Musik.

Seine Recherche zu zeitgenössischer Musik, Mode und Tänzen, Notizen und Interviews mit Akademiker*innen oder Kulturschaffenden dokumentiert Satch Hoyt in einem Blog. Im November 2019 präsentiert er das Projekt im HKW.

Satch Hoyt ist bildender Künstler und Musiker und lebt in Berlin. Seine Projekte verweisen auf die transnationale afrikanische Diaspora und drehen sich um die kulturelle und politische Rolle des Klangs. Hoyts Skulpturen und Installationen werden von Sound begleitet, seine Bilder und Zeichnungen lassen sich als grafische Partituren lesen und spielen. 2018 waren seine Arbeiten bei Respect Hip Hop Style and Wisdom im Oakland Museum of California und der Dak’Art Biennial zu sehen. 2017 präsentierte er Werke bei der Documenta 14. Zu seinen letzten Performances zählen Hair Combing Cycle (2017) sowie Sonic Shadow mit Earl Harvin und Dirk Leyers (2016). Satch Hoyt komponierte Songs mit Grace Jones, darunter 7-Day Weekend, das sich auf dem Album zu Eddie Murphys Film Boomerang (1992) findet. Aktuell arbeitet Hoyt an den Alben Galaxy X und an einer Koproduktion mit Earl Harvin an Cleopatra’s Chariot.

Im Rahmen von Kanon-Fragen

November 2019