Sa, 26. Mai 2018

Joyce S. Cheng: Masken, die niemals fallen: Der Surrealismus und die Launen des Subjekts

In der surrealistischen Kunst und Literatur der späten 1920er und frühen 1930er Jahre spielte die Maske eine wichtige Rolle, indem sie den Antihumanismus der damaligen europäischen Avantgarde verkörperte und die geistigen Grundlagen des westlichen Humanismus zu zertrümmern beanspruchte. Unbeabsichtigt offenbarten Masken auch Ambivalenzen der avantgardistischen Entsubjektivierung. Cheng diskutiert surrealistische Theorien der Maske ausgehend von zwei ganz unterschiedlichen Ansätzen: Hannah Arendts Beschreibung der Anonymität als Voraussetzung totalitärer Herrschaft und Gayatri Spivaks Kritik am „verborgenen Subjekt”, d.h. an kritischen linken Theorien des souveränen Subjekts, die dieses Subjekt „tatsächlich erst hervorbringen”.

Joyce S. Cheng ist Assistenzprofessorin für moderne europäische Kunst am Department of the History of Art and Architecture der Universität Oregon. Thema ihrer Vorlesungen und Seminare ist die europäische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Ihre Spezialgebiete sind bildende Kunst, Poetik, ästhetische Theorien sowie Kultur- und Geistesgeschichte der Zwischenkriegszeit. Sie hat Artikel und Bücher über Symbolismus, Dada, Surrealismus und die Kunsttheorien von Carl Einstein veröffentlicht. Zurzeit vollendet sie einen Essay über die Figur der Maske in der Kunsttheorie und -praxis des Surrealismus.

Teil der Konferenz Tiefenzeit und Krise, ca. 1930