Sa, 01. Juli 2017

Lani Maestro: The Anonymous I

Lani Maestro,

Lani Maestro, "No Pain Like This Body", 2010, Red neon signal. Courtesy the artist, Foto: Hua Jin

Das Streben nach „Differenz“ oder Unterschiedlichkeit ist für jeden kreativen Prozess essentiell: erst durch ihn kann die Beziehung zwischen dem Selbst und dem Anderen wirklich aufblühen. Wie kann man in einer scheinbar verrückt gewordenen Welt, in der oppositionelles und dualistisches Denken Konjunktur hat, zu einer Form der Reflektion zurückfinden, die es ermöglicht, die Angst vor dem Anderen zu besiegen? Wie können Stille und Ruhe zu radikalen Alternativen werden?

Lani Maestro geht als Künstlerin der Frage nach, wie wir den Raum einnehmen bzw. der Raum uns einnimmt oder bereits von anderen eingenommen ist. Dies führt unweigerlich zu einer Auseinandersetzung mit dem Konzept der Heimat: Sind wir zuhause, wo wir hingehören, oder sind wir es gerade dort, wo wir anders sind und nicht hingehören? Obgleich sie inhaltlich komplex und zugleich sinnlich-eindringlich wirken, sind Maestros Arbeiten formal zurückhaltend. Aus heutiger Sicht erscheinen sie beinahe klassisch elegant, trotz der emotionalen Rohheit, die sie oft verkörpern. Viele dieser Werke verorten Orte: Sie erlauben es dem Betrachtenden, ein Zuhause oder einen Raum zu verlassen und erneut zu betreten, um in dem so entstehenden Wechsel zwischen Außen und Innen binäre Gegensätze aufzulösen. In diesem Sinn kann Maestros Werk als eine Architektur des Körpers beschrieben werden: Es schafft Durch- und Übergänge, die nicht von Dauer sind – und gerade durch diese Vergänglichkeit den