Tongue and Throat Memories

In Gastfreundschaft geteiltes kulinarisches Wissen

Cooking Sessions

2023–2027

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Unser Ziel ist es, abwechslungsreiche Gerichte zu kreieren, die von Fulani-Communitys in West- und Zentralafrika inspiriert sind. Wir besuchen die Küchen der Hüter*innen authentischer Rezepte, um eine neue Geschichte der westafrikanischen Kochkunst und des Fulani-Volkes zu erzählen. Als aktive Protagonist*innen ihrer eigenen Historie können die Fulani mitbestimmen, welchen Stellenwert die Tradition einnimmt und wie sie sich weiterentwickelt.

Unser Ziel ist es, abwechslungsreiche Gerichte zu kreieren, die von Fulani-Communitys in West- und Zentralafrika inspiriert sind. Wir besuchen die Küchen der Hüter*innen authentischer Rezepte, um eine neue Geschichte der westafrikanischen Kochkunst und des Fulani-Volkes zu erzählen. Als aktive Protagonist*innen ihrer eigenen Historie können die Fulani mitbestimmen, welchen Stellenwert die Tradition einnimmt und wie sie sich weiterentwickelt. Foto: Dine on a Mat

Im Wolof, das in der Senegambia-Region in Westafrika gesprochen wird, bedeutet das Wort kër in etwa „Haus“. Doch die Konnotationen gehen weit über ein materielles Verständnis hinaus: Sie umfassen nicht nur das Gebäude selbst, sondern die Menschen im Haus samt ihrer kollektiv herausgebildeten Erfahrungen, Rollen, Energien, Werte und Formen der Fürsorge. Eine bessere Übersetzung von kër wäre somit „einladendes Haus“, ein Ort, der mit Essen und Liebe willkommen heißt: ein Zuhause. Tongue and Throat Memories erkundet, wie das Haus der Kulturen der Welt als ein solches Zuhause für die Kulturen der Welt gedacht und dazu gemacht werden kann.

Grundlegend dafür ist, alle Menschen, die das HKW betreten, herzlich willkommen zu heißen. Ein Zuhause kann weiterleben, Bestand haben und von Generation zu Generation mit neuer Energie versorgt werden. Was also tun mit diesem Zuhause, das gemeinschaftlich errichtet werden soll? Zu einem einladenden Ort gehört ganz wesentlich das Essen, um Gäste unterschiedlicher Herkunft, diverser Altersgruppen und Kulturen zu empfangen. Eine Kultur kann nur erforschen, wer den Versuch unternimmt, ihre Essensrituale und -traditionen zu verstehen. In diesem Sinne stellen Kochen und gemeinsame Mahlzeiten eine Geste der Solidarität und Heilung dar. Indem das Programm die Gelegenheit bietet, Speisen zuzubereiten, zu kosten und gemeinsam zu verzehren, schafft es den idealen Ausgangspunkt für sinnstiftende Begegnungen und Dialoge.

In ihrem bahnbrechenden Buch Longthroat Memoirs: Soups, Sex and Nigerian Taste Buds erinnert die nigerianische Autorin Yemisi Aribisala daran, wie faszinierend die Erinnerungen unseres Gaumens sind – wesentliche Archive des Körpers, die zu Unrecht wenig Beachtung finden. Sie schreibt über Gastfreundschaft und gemeinsame Zusammenkünfte und zeigt auf, wie in westafrikanischen Kulturen und weltweit in traditionellen Sitzkreisen sowie beim gemeinsamen Essen ein Umgang mit Differenz- und Ausschlussmechanismen gefunden wurde.

Gerade wenn es um die lange Geschichte der Zwangsmigrationen, der Verschleppung und Vertreibung geht, bietet das Programm den Raum, sich intensiv mit verschiedenen kulinarischen Kulturen jener Menschen zu beschäftigen, die sich ein neues Zuhause in Afrika, den Amerikas, Asien, Europa und dem Nahen Osten aufbauen mussten, um zu überleben. Dieses neue Heim war am Existenzerhalt orientiert, der nur durch Aussaat, Anbau und andere Formen der Nahrungsmittelproduktion gesichert werden konnte. So nutzten Menschen, die aus der Versklavung flohen, Techniken des Haareflechtens, um kollektiv Informationen über die Ländereien ihrer Ausbeuter zu kommunizieren. Als ein Akt des Überlebens versteckten sie zudem Saatgut unter ihren Zöpfen, das ihnen ermöglichte, sich auf neuem Boden eine Existenz aufzubauen, mithilfe ihres Wissens Lebensmittel zu erzeugen und aus dem Nichts Ressourcen zu schaffen.

Gemeinsame Mahlzeiten können durch den Austausch über kulinarische Traditionen und Kenntnisse Erinnerungen des Gaumens anregen. So können wir aus diesen und zahllosen anderen in Vergessenheit geratenen Erzählungen lernen. Dazu werden in den nächsten fünf Jahren Köch*innen aus verschiedenen Kulturen in die Küche des HKW-Restaurants „Weltwirtschaft“ eingeladen. Jede Köchin, jeder Koch wird eine besondere Speisekarte für die Gäste des HKW kreieren. Das Menü wird von narrativen Elementen begleitet, die in Filmen, Performances, Musik, Literatur, Freizeitaktivitäten oder Gesprächen Ausdruck finden. So wird die Küche als Labor, als Raum der Wissensproduktion, des Austauschs und der Überlieferung mit neuem Leben erfüllt.

Dine on a Mat
Der Geschmack der Fulani-Küche von Chefköchin Binta

2. & 4. Juni 2023

Das HKW hat im Juni 2023 die Ehre, mit Fatmata Binta das Programm Tongue and Throat Memories zu eröffnen. Sie beschreibt sich als nomadische Köchin – geboren und aufgewachsen in Freetown, Sierra Leone, in einer Familie mit guineischen Wurzeln. Binta erkundete die Küche der Fula, einer der größten nomadischen Gesellschaften auf dem afrikanischen Kontinent. Mit Dine on a Mat lädt sie zu einer Mahlzeit ein, in der sie ihre kulinarischen Kreationen mit Getreide, Gewürzen und Zutaten aus Westafrika serviert, unterlegt mit Erzählungen zu Geschichte und Kultur der Fula. Ihre Leidenschaft fürs Kochen entwickelte Binta schon als Kind, als sie in Zeiten der Lebensmittelknappheit die Solidaritätsstrukturen in ihrer Gemeinschaft beobachtete. Dass sich die Menschen freuten, zum Essen zusammenzukommen, inspirierte Binta, sich neue Gerichte aus lokalen Zutaten wie Foniohirse auszudenken, die heute einen wesentlichen Platz in ihrer Küche einnehmen. Auf der Grundlage ihrer Erfahrung und Ressourcen konnte sie einen Blick in die Zukunft richten und die Stiftung Empowering Fulani Women gründen.

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