Sa, 10. September 2011

Kulturpraktiken des Essens

Asian Food zwischen Inszenierung, Exotisierung und Vermarktung im Zeitalter der Migration

Take Out | Sean Baker bei den Dreharbeiten | © Promo

Take Out | Sean Baker bei den Dreharbeiten | © Promo

15 h Gespräch
Ethnisierte Kult(ur)- und Stadtgeschichten: Asian Food
Rund ums Essen sammeln sich soziale und kulturelle Geschichte und Geschichten. Migrationsprozesse und ihre gesellschaftlichen Kontexte spiegeln sich in der Entstehung von Chinatowns und anderen Formen der ethnisierten Ökonomie. Am transatlantischen Phänomen asiatischer Restaurants können sowohl Fragen der Kommerzialisierung als auch der kulturellen Repräsentation veranschaulicht werden. Als asiatische Räume innerhalb westlicher Einwanderungsgesellschaften liegen sie im Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung, exotischen Konsum und vielfältigen Verwandlungsprozessen – die von kulinarischen Kimchi-Metamorphosen bis hin zu entgrenzten Chutnification-Identitätsmodellen reichen.
Kulturgeschichtliche und aktuelle Entwicklungen diskutieren John Kuo Wei Tchen (Historiker, New York University), Lars Amenda (Historiker, Universität Osnabrück) und Anja Michaelsen (Kultur- und Medienwissenschaftlerin, Universität Bochum).
Moderation: Kien Nghi Ha (Kulturwissenschaftler, Universität Tübingen)

16.45 h Gespräch
Asian Food in Berlin - zwischen Spektakel, Alltag und Popkultur
Asiatisches Essen im urbanen und globalisierten Raum ist ein Feld von Imaginationen und Projektionen; es erzählt aber auch Geschichten über Entrepreneure, Pioniere und migrantische Kulturproduktion. Was sind die Gründe für den Erfolg asiatischer Restaurants? Ist dieser Boom nur eine Modewelle oder langfristig angelegt? Wie werden diese Räume konzipiert, und was sind die Besonderheiten von Asian Food? Wie wichtig ist dabei Authentizität, und welche Rolle spielen kulinarische Erfindungen? Zur Vermarktung, Inszenierung und Entwicklung asiatischer (Ess-)Kultur in Berlin sprechen Sumi Ha (Geschäftsführerin des Restaurant „Yam Yam“, Berlin), Chi Kien Nguyen (Asia-Gastroberater und Geschäftsführer des Restaurant „Mam Mam“, Berlin) und Felix Lee (Wirtschafts- und Politikredakteur,taz, Berlin). Moderation: Claudia Wahjudi (Kunstredakteurin, Zitty, Berlin).

18.30 h Film
Take Out
R: Sean Baker/ Shih-Ching Tsou, USA 2004, 87 Min., (Chinesische) OmE
Ein Tag im Leben des Ming Ding, illegaler Einwanderer und Lieferbote eines China-Imbiss in New York. Es ist der letzte Tag, den ihm die Schleuser eingeräumt haben, seine Schulden zu begleichen. Semi-dokumentarische Alltagsszenen und die Jagd nach dem Geld mischen sich.
Mehr Informationen und Trailer auf takeoutthemovie.com

Kuratiert von Kien Nghi Ha in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt

Kurzbiographien der Teilnehmer

John Kuo Wei Tchen, Historiker, Kurator, lehrt als Professor an der New York Universität und ist Direktor des Asian/Pacific/American Institut. Forschungsschwerpunkte: Cross-cultural Community Studies, Geschichte New York City’s, Asiatische Bevölkerungsgruppen in den Amerikas, Kolonialismus und Museen. Stipendien und Auszeichnungen: Charles S. Frankel Prize der National Endowment for the Humanities; City of New York Mayor’s Award of Honor for Arts and Culture. Wichtige Publikationen: “New York before Chinatown: Orientalism and the Shaping of American Culture, 1776-1882” (Johns Hopkins UP, 1999) sowie “Genthe's Photographs of San Francisco's old Chinatown” (Dover, 1984).

Lars Amenda studierte Geschichtswissenschaft und Politische Wissenschaft in Hamburg und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, sowie dem Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Universität Osnabrück. Erhielt diverse Forschungsstipendien: Deutsches Historisches Institut London und Washington D.C.; Visiting Fellow am Bryn Mawr College (USA). Im Auftrag der ZEIT- Stiftung arbeitete er 2008/09 an dem Projekt „China in Hamburg“. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. chinesische Seeleute und Migranten in Hamburg als ein besonderer Aspekt globaler Migration, sowie migrantische Praktiken und Orte der Segregation in urbanen Räumen.

Anja Michaelsen, Kultur- und Medienwissenschaftlerin, derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum. Sie studierte Gender Studies und Neuere deutsche Literatur in Köln, Berlin und Montreal. Sie erforscht Alltagsphänomene an der Schnittstelle von Gender Studies, Kultur- und Medienwissenschaft und schrieb u.a. über „Asien essen. Zum Verhältnis von Fremdheit, Geschlecht und Medialität in Metaphern der Einverleibung zeitgenössischer Populärkultur“.

Kien Nghi Ha, promovierter Kultur- und Politikwissenschaftler. Er lehrt gegenwärtig als Gastprofessor am Asien-Orient-Institut der Universität Tübingen und forscht zu postkolonialer Kritik, Rassismus, Migration und Asian Diasporic Studies. Sein Buch „Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«“ (transcript 2010) wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2011 ausgezeichnet. Weitere Bücher u.a.: „Ethnizität und Migration Reloaded“ (1999/2004), „Vietnam Revisited“ (2005), „Hype um Hybridität“ (2005). Herausgeber von: „Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond“ (Assoziation A, Herbst 2011).

Chi Kien Nguyen, Asia-Gastroberater und Betreiber des neu eröffneten Restaurants "Mam Mam" in Berlin-Friedrichshain. Ausgebildet als Hotelbetriebswirt, IHK Ausbilder und Weinfachmann ist er seit einigen Jahren als Asia-Gastro-Berater in Deutschland tätig und war in Berlin unter anderem Gastronomiemanager des „Viethauses“. Er entwickelt und berät Unternehmen und Einzelakteure zu Asian-Food-Konzepten.

Sumi Ha, Betreiberin des koreanischen Restaurants „Yam Yam“ in Berlin, Gastronomin und Designerin. Gründete 2004 den Best-Shop (in dem dann später das Restaurant Yam Yam eröffnet wurde), sowie 2006 den Showroom für Avantgarde-Fashion IDEAL und schafft damit eine individuelle Verbindung zwischen Mode, Kunst und (Ess-) Kultur.

Felix Lee, Journalist, geboren und aufgewachsen in Deutschland. Der chinesischstämmige Journalist hat immer wieder in China gelebt und gearbeitet, zuletzt 2010 für mehrere Monate in Peking. »Die Gewinner der Krise. Was der Westen von China lernen kann« (Rotbuch 2011) ist sein erstes Buch. Felix Lee arbeitet als Wirtschafts- und Politikredakteur bei der „taz“ in Berlin.

Claudia Wahjudi, Kunstredakteurin beim Stadtmagazin Zitty (zuvor bei Zitty Redakteurin im Ressort Politik). Darüber hinaus freie Kulturjournalistin, unter anderem für Kunstforum International und Der Tagesspiegel. Autorin von Metroloops. Berliner Kulturentwürfe (Ullstein Verlag, 1999) und Handbuch Antirassismus (gemeinsam mit Mirko Heinemann und Alfred Schobert, Kokerei Zollverein, 2002). Lehrt seit 2004 am Masterstudiengang Kunst im Kontext der Universität der Künste zu Berlin. Mitglied der AICA Deutschland und des Medienausschusses des Deutschen Kulturrats.

Asien-Pazifik-Wochen Berlin

Die Asien-Pazifik-Wochen (APW) finden auf Initiative des Regierenden Bürgermeisters seit 1997 alle zwei Jahre statt.
Die Asien-Pazifik-Wochen werden unterstützt durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin DKLB

Das Haus der Kulturen der Welt konzipiert und koordiniert das Kulturprogramm der Asien-Pazifik-Wochen Berlin 2011.