Do, 16. Juli 2020

The Egg and the Chicken: Reading Clarice Lispector

Performative Lesung mit Lucrecia Dalt, Ricardo Domeneck, Hanne Lippard und Senthuran Varatharajah

Egg Haus | © Timo Lenzen

Egg Haus | © Timo Lenzen

„Ich nehme in der Küche noch ein Ei, zerbreche seine Schale und Form. Und von diesem Augenblick an hat es nie ein Ei gegeben.“

Clarice Lispector, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, zählt heute zu den bedeutendsten Schriftsteller*innen des 20. Jahrhunderts. Seit ihrem Tod 1977 ist sie in Brasilien zum Mythos und in Europa zur Ikone der Écriture féminine geworden. Doch noch immer wächst weltweit die Aufmerksamkeit für ihr rätselhaftes und exzessives Werk, das von belebten wie unbelebten Figuren bewohnt wird und das menschliche Innenleben in all seiner Komplexität abtastet. Gewöhnliche Dinge des Alltags schaut sie so genau an, dass die Dinge selbst und ihre ganze Selbstverständlichkeit vor den Augen der Lesenden zerfallen: So auch in der so kurzen wie legendären Erzählung Die Henne und das Ei, die im Mittelpunkt dieses Abends steht. In ihrem einzigen Fernsehinterview, aufgenommen kurz vor ihrem Tod, sagte Lispector, dies sei die einzige ihrer Erzählungen, die ihr selbst ein Rätsel geblieben sei.

In einer mehrstimmigen und mehrsprachigen Lesung folgen die Künstlerin Hanne Lippard und die Schriftsteller Ricardo Domeneck und Senthuran Varatharajah den tiefen und oft auch komischen Reflexionen Lispectors, die bei der Anschauung eines gewöhnlichen Frühstückseis beginnen und von dort aus scheinbar überall hin gelangen können. Erweitert wird der Raum von einer Sound-Performance von Lucrecia Dalt, deren musikalische Introspektionen immer wieder auf Texte Lispectors Bezug nehmen.

Mit Lucrecia Dalt, Ricardo Domeneck, Hanne Lippard und Senthuran Varatharajah