So, 24. November 2019

Chicks on Speed: Speed Listening

Jasmine Guffond: False Positives

Chicks on Speed | Videostill, Melissa E. Logan, Bearbeitung: Elfe Brandenburger. Kamera: Steven Aaron Hughes

Chicks on Speed | Videostill, Melissa E. Logan, Bearbeitung: Elfe Brandenburger. Kamera: Steven Aaron Hughes

19h: Jasmine Guffond: False Positives | Lecture, Sound-Performance | Hirschfeld Bar (Eintritt frei)
20h: Chicks on Speed: Speed Listening | Performance, Konzert | Foyer

Jasmine Guffond: False Positives
Was passiert, wenn jeder Inhalt im Netz auf eine potenzielle Urheberrechtsverletzung geprüft werden muss? Die flächendeckende algorithmische Überwachung des World Wide Webs ist noch nicht Realität– ein Vorläufer solcher Technologien ist aber bereits heute im Einsatz: Content ID ist ein von der größten Suchmaschine der Welt für das größte Videoportal der Welt entwickeltes System zur Handhabung der rechtlichen und wirtschaftlichen Ansprüche von Medienkonzernen. Eine Erkennungstechnologie, die Video-Uploads automatisch mit einer Datenbank aus urheberrechtlich geschütztem Material abgleicht – jedoch höchst fehleranfällig ist. Algorithmische Steuerung produziert vielfach falsche Treffer – „False Positives“. In ihrer Lecture-Sound-Performance arbeitet Jasmine Guffond mit einem Archiv von False Positives-Remixen. Mittels Live-Uploads fordert sie das Content-ID-System heraus und diskutiert, welche Konsequenzen algorithmisches Handeln mit sich bringt. Die Klangkünstlerin und Komponistin arbeitet an der Schnittstelle von gesellschaftlichen, politischen und technischen Infrastrukturen. Indem sie Daten in Klang transformiert, bringt sie Phänomene zu Gehör, die normalerweise jenseits menschlicher Wahrnehmung liegen. Was passiert, wenn persönliche Verhaltensweisen und Entscheidungen auf Datenströme reduziert und dadurch verfolgbar werden?

Chicks on Speed: Speed Listening
Während die EU das Urheberrecht reformiert, erkunden Chicks on Speed Erkennungstechnologie als Kreativlabor. Die Musik- und Performance-Gruppe um Melissa E. Logan und Alex Murray-Leslie erforscht das ästhetische und sozio-politische Potenzial der Audio ID-Software, die Uploads durchsiebt. In ihrer Performance verwandelt sie die Technologie in ein Arbeitswerkzeug; automatische Musikerkennung wird zu einem Programm um neue Werke zu kreieren. Seit den späten 1990er Jahren haben Logan und Murray-Leslie mit Chicks on Speed ein multimodales Kollektiv aus rotierenden Mitgliedern aufgebaut, für das kollaborative Autorschaft, Learning by Doing, Copyleft und Open Source zum Selbstverständnis gehören. Zwischen Musik, Performance, neuen Medien, Mode und Design erarbeitet die Gruppe Live-Art-Performances, u. a. für die Biennale in Venedig, das Centre Pompidou, Paris, das MoMA, New York und das Museum of Contemporary Art, Sydney. In ihrer Auftragsarbeit für Right the Right arbeiten sie zusammen mit Musikproduzent Christopher Just, Künstler und Software-Entwickler Eric Schrijver, Künstlerin und Grafikdesignerin Tina Frank, Modedesignerin und Stylistin Kathi Glas u. a. Mittels Echtzeit-Action-Recherche und künstlerischem Experimentieren trägt Speed Listening zu dem großen Spielplatz der Ready-Mades bei, mit denen der Schweiß vieler Künstler*innen und Techniker*innen die Welt versorgt.