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Fr, 27. April 2018

Theo Parrish, Jlin, Canalón de Timbiquí

Die Produzentin Jlin alias Jerrilynn Patton | © Mahdumita Nandi

Die Produzentin Jlin alias Jerrilynn Patton | © Mahdumita Nandi

20h: Canalón de Timbiquí | Auditorium
21h: Jlin | Foyer
22h: Theo Parrish (DJ-Set) | Foyer

Canalón de Timbiquì | © Promo

Canalón de Timbiquì | © Promo

Canalón de Timbiquì

Die Beats des Pazifiks: Mit Marimba, Guasá-Rasseln und Bombo-Trommeln kombinieren Canalón de Timbiquí lateinamerikanische und westafrikanische Perkussion, wie sie typisch für die Musikkultur der kolumbianischen Pazifikküste ist. Die Band um Sängerin Nidia Góngara verweist damit auf die afro-diasporische Geschichte, von der die Region tief geprägt ist. Canalóns hochgradig ansteckende Dynamik wird angeführt vom vierstimmigen Frauenchor und ihrer weichen Melodik, getragen vom Backbeat-betonten Shuffle der Rhythmussektion und umgarnt von den Schlägeln der Marimba.

Jlin

Knicken und Falten – was die Origamikunst mit einem Blatt Papier macht, das wendet Jlin auf elektronische Sounds an. Die Produzentin konstruiert hyperkomplexe Rhythmusarchitekturen; Hyperrhythmen, die nicht mit dem Kopf, nur durch Bewegung zu verstehen sind: Beats als umweglose Schnittstelle zwischen Maschine und Körper. Nach Anfängen im Footwork, Chicagos zerhackter, rasend schneller Tanz-Battle-Clubmusik, und ihrem von Kritiker*innen durchweg gefeierten Debüt Dark Energy hat sie mit dem programmatisch betitelten Nachfolger Black Origami ein Meisterwerk der Maschinenperkussion geschaffen. Bereichert durch Kollaborationen mit Avantgarde-Musiker*innen wie Holly Herndon und William Basinski, sowie maßgeblich inspiriert von der Zusammenarbeit mit der indischen Tänzerin und Choreographin Avril Stormy Unger, ist das Album gleichzeitig voller Wucht und Eleganz. Mit pulsierenden Bässen unter disharmonischen Synthesizer-Sounds, zerschnittenen Polyrhythmen und halsbrecherischen Triolen pendeln Jlins Stücke assoziativ zwischen rituellen Kampfszenen und dem Stahlwerk, in dem sie vor kurzem tatsächlich noch Metalltransporte gewuchtet hat.

Theo Parrish | © Violette Esmeralda

Theo Parrish | © Violette Esmeralda

Theo Parrish

Detroit-House-Ikone: Als er in den 1990ern von Chicago nach Detroit zog, brachte er den Soundtrack seiner Kindheit – Miles Davis, Nina Simone –, die Erfahrungen in der frühen House-Szene und sein Kunsthochschuldiplom mit in die postindustrielle Brutstätte des Maschinensounds von Techno. Bis heute prägen der Improvisationsgeist des Jazz, der Rückbezug des 4-to-the-floor-Beats auf seine Wurzeln in Disko und Funk, sowie der konzeptionelle Ansatz des Bildhauereistudiums den (deeper than) Deep House und High-Tech-Jazz des Produzenten und DJs. Genretreue hat er längst über Bord geworfen: Die Repetition als Ausgangsmaterial, angetrieben vom nimmermüden Puls der Kick-Drum und tiefgelegten Bässen, sowie von Samples und Field Recordings, Handperkussion-, Orgel- und Bläsersounds immer wieder verschoben und umspielt, konstruiert Parrish seine Musik als Mobilee-artige Soundskulpturen zwischen puristischer Avantgarde und groovendem Dancefloor.