Fr, 10. November 2017

Arrigo Barnabé, Tiganá Santana, Nobody (Willis Earl Beal)

Arrigo Barnabé & Claras e Crocodilos | Foto: Marilia Correia

Arrigo Barnabé & Claras e Crocodilos | Foto: Marilia Correia

20h Tiganá Santana | Auditorium
21.30h Arrigo Barnabé & Claras e Crocodilos | Auditorium
23h Nobody (Willis Earl Beal) | Hirschfeld Bar

Foto: José de Holanda

Foto: José de Holanda

Tiganá Santana spielt Milton Nascimentos Milagre dos peixes

Widerstand durch Musik: Als die Texte von Milton Nascimentos Album Milagre dos peixes 1973 der Zensur der brasilianischen Militärdiktatur zum Opfer fallen sollten, protestierte der Star der Música Popular Brasileira mit einem genialen Schachzug: Er zerstückelte die Songtexte in einzelne Tonsilben und rettete mit einer Bandbreite an unverständlichen Lauten, Gemurmel und Rufen die Aufnahme. Der Singer-Songwriter Tiganá Santana wird aktuell gefeiert für seine multilinguale Verknüpfung von MPB mit Einflüssen aus dem afrobrasilianischen Candomblé und Gesang in den Bantu-Sprachen Kikongo und Kimbundu. Für No! Music interpretiert er Nascimentos Meisterwerk neu.

Arrigo Barnabé & Claras e Crocodilos

Dekonstruktion als Neubegründung: Mit seinem provokanten Debüt Clara Crocodilo hat Arrigo Barnabé 1980 gegen alle Trends der Música Popular Brasileira dieselbe revolutioniert. Seine eigenwillige Verbindung von Zwölftontechnik und dissonantem Jazz mit Spoken Word und Funk-Versatzstücken gilt als einer der größten Einflüsse auf die brasilianische Musikkultur nach der Tropicália-Bewegung – und das obwohl das Album lange Zeit keinen professionellen Vertrieb hatte. Nach den Anfängen in São Paulos Vanguarda Paulista-Szene ist der musikalische Nonkonformist seit 40 Jahren mit unzähligen Kompositionen und Kollaborationen aktiv. Bis heute unterzieht Barnabé sein Clara Crocodilo-Material einer laufenden Überarbeitung, die neuesten Arrangements präsentiert er nun mit seiner Band Claras e Crocodilos.

© Willis Earl Beal

© Willis Earl Beal

Nobody (Willis Earl Beal)

Das Paradox der künstlerischen Verweigerung hat Nobody aka Willis Earl Beal verinnerlicht: Der Legende nach wird Beal nach Jahren des Nomadendaseins und schlechter Jobs durch selbst produzierte Flyer und Demo-CDs in den Straßen von Albuquerque, New Mexico, entdeckt. Mit seinem Debüt, einer eindrucksvollen Mischung aus schlichtem Lo-Fi-Blues und kraftvollem, wie aus einer finsteren Tiefe aufsteigenden Gesang, beginnt 2012 eine vielversprechende Karriere, doch die passt nicht zum Außenseiter-Selbstverständnis des Künstlers. Er verlässt sein Label, veröffentlicht in Eigenregie und so gut es geht an gängigen Marketingstrategien vorbei, gibt sich zutiefst skeptisch gegenüber der Zuschreibung von Identitäten, inszeniert sich mit Maske und Umhang. Wie aber bringt man Rückzugsbedürfnis und Ablehnung mit dem Drang nach Ausdruck und Selbstoffenbarung unter einen Hut? Beal wird zu Nobody: Identitätslos, bloß Künstler und Mensch.

thebookofnobody.tumblr.com