Sa, 31. Mai 2014

Preservation Design

Nikolaus Hirsch mit Thordis Arrhenius, Beatriz Colomina und Jorge Otero-Pailos

Jorge Otero-Pailos cleaning the wall of the Alumix factory, 2008 | Photo © Patrick Ciccone

Jorge Otero-Pailos cleaning the wall of the Alumix factory, 2008 | Photo © Patrick Ciccone

In welchem Maß ist das Konservatorische ein aktiver Prozess, der sich ebenso mit der Vergangenheit, wie auch mit dem Design zeitgenössischer Politik und Identität auseinandersetzt? Im Zuge dreier Vorträge wird sich das Seminar Preservation Design mit der Konservierung, Authentizität und dem Dokumentarischen gebauter Umwelt beschäftigen.

Thordis Arrhenius befragt in ihrem Vortrag The Authentic den Begriff monument historique und dessen Auswirkungen auf die Idee des Authentischen im 19. Jahrhundert. Im Zusammenhang mit den Theorien von John Ruskin und Eugène-Emmanuel Viollet-le-Duc wird sie sich mit dem Verhältnis zwischen Identitätsbildung, Konservierung und Fotografie auseinandersetzen. Arrhenius wird zeigen, dass die engen Verbindungslinien, die sich so rasch zwischen architektonischer Restaurierung und dem noch jungen Medium der Fotografie entwickelt hatten, nicht bloß zweckmäßig oder zufällig waren. Vielmehr gewannen sie an Bedeutung, weil beide Disziplinen von einem ähnlichen Anliegen getrieben wurden: die Neukonzeptionierung der Begriffe von Zeit und Natur, die sich genau zu jenem Zeitpunkt in einer grundlegenden Identitätskrise befanden.

Endless Obsession: E.1027 ist der Titel des Vortrags von Beatriz Colomina über Le Corbusiers nicht nachlassende Obsession mit Eileen Grays Haus E.1027. Es wurde zum Schauplatz eines angespannten Machtkampfes, der mit dem Tod von Le Corbusier genau vor eben diesem Haus endete. Es ist aber auch die Geschichte von Colominas eigener Obsession mit diesen Vorkommnissen – eine Obsession mit einer Obsession, die für die Architekturhistorikerin bereits zwei Jahrzehnte zurückreicht. Nachdem Gray aus der Villa ausgezogen war, hatte Le Corbusier ohne ihre Zustimmung acht Wandmalereien angebracht – für Gray ein Akt von Vandalismus. Die Zerstörung ihres Designs ging einher mit der Auslöschung ihres Werks als Architektin: Als Le Corbusier die Wandmalereien in seinem Oeuvre complète (1946) und in L’Architecture d’Aujourd’hui (1948) veröffentlichte, bezog er sich auf Grays Haus nur mit dem Hinweis „ein Haus in Cap-Martin“ – ohne ihren Namen zu erwähnen. Warum hatte Le Corbusier gerade gegen das Haus, das er so liebte, einen Akt des Vandalismus begangen? Um diese Frage zu beantworten, wird sich Colominas Vortrag in Fragen der Sexualität und des Besitzergreifens vertiefen.

Jorge Otero-Pailos untersucht in seinem Vortrag Monumentaries die Konservierung als einen Akt der Neuinterpretation. Das Konservatorische ist eine eigentümliche Form historischer Interpretation, weil es mehr als nur Worte und Gesetze bedarf. Es erfordert die Manipulation des materiellen Stoffes der Monumente. Für Konservatoren sind das Ersetzen von Dächern oder das Verstärken von Fundamenten physische Akte historischer Interpretation. Diese sind mit bedeutenden ethischen Auswirkungen verbunden, weil sie auf unwiederbringliche Weise die baulichen Dokumente der Menschheit verändern. Derlei Manipulationen werden als wesentlich dafür angesehen, die Relevanz von Monumenten für jenes zeitgenössische Publikum zu stärken, das letzten Endes auch für die Erhaltung dieser Monumente aufkommen muss. Vom Parthenon bis zu Angkor Wat sind konservierte Monumente nicht nur bloße historische Dokumente, sondern vielmehr Dokumentationen, die den zeitgenössischen Blick auf das Vergangene in eben jene Vergangenheit einschreiben, die sie dokumentieren.