(Un-)Learning Place


Mi, 09. Januar 2019 — So, 13. Januar 2019

knowbotiq, b(l)ack dada nonperformance | © knowbotiq

knowbotiq, b(l)ack dada nonperformance | © knowbotiq

Die Gegenwart ist durch eine Krise der etablierten epistemisch-politischen Ordnung gekennzeichnet. Veraltete Kategorien und Begriffe haben ihre Funktion und Beschreibungskraft eingebüßt. Die Logik der Repräsentation ist nicht geeignet, um die Komplexität gegenwärtiger Phänomene und zunehmend globaler Gesellschaften zu begreifen, deren Wandel durch die digitalen Infrastrukturen beschleunigt wird. In dieser Situation ist es dringend nötig, gängige Formen der Weltbeschreibung zu verlernen und Methoden des Konstruierens, Verortens und Kritisierens der Wirklichkeit neu zu denken.

Während der Opening Days des neuen HKW-Langzeitprojekts Das Neue Alphabet öffnet mit dem (Un-)Learning Place ein einzigartiger Raum für Zusammenkünfte, Diskussionen und Workshops, kuratiert von Boris Buden und Olga von Schubert. Sein fünftägiges Curriculum lädt die internationalen Teilnehmer*innen dazu ein, in einer Reihe unterschiedlicher (Un-)Learning Tracks an kuratorischen, künstlerischen oder aktivistischen Strategien zu arbeiten – im engen Austausch mit selbstorganisierten Forschungskollektiven sowie unabhängigen Künstler*innen, Kurator*innen und Forscher*innen..

Wie transformieren die Kulturtechniken des Archivierens, Einordnens und Klassifizierens das archivierte Wissen von innen heraus? Kann die Nekro-Ästhetik – die Präsentation toter Lebewesen – Naturhistorischer Museen durch eine Veränderung museologischer Taxonomien neu ausgerichtet werden? Welche Geschichten jahrhundertelanger politischer Unterdrückung erzählen die Moleküle von Körpern und wie lassen sich diese Geschichten neu lesen? Welche Widerstandsformen finden sich in den digitalen Netzwerkkulturen und wie navigiert man durch zunehmend undurchsichtige Daten- und Informationsströme? Wie können alternative Räume des Lernens und des Verlernens beschaffen sein in einer Welt, die von institutionellen Infrastrukturen der Herrschaft und der kulturellen Vormacht geprägt sind? Wie lässt sich eine Bibliothek von Schriften der afrikanischen Diaspora katalogisieren, ohne Kategorien der Unterdrückung zu reproduzieren? Und welche Rolle spielen die Funktionsweisen und Logiken von Theorie und ihrer institutionellen Praxis innerhalb dieses Gefüges?

In fünf (Un-)Learning Tracks erproben die 80 internationalen Teilnehmer*innen des (Un-)Learning Place Strategien, mit denen sich die Klassifikationsschemata und Ordnungssysteme von Archiven, Bibliotheken, Museen, institutionellen Architekturen und digitalen Netzwerken erschließen lassen. Außerdem entwickeln sie Methoden, mit denen sich Forschung in künstlerischen, ortsspezifischen, poetischen und körperlichen Praktiken situieren und verhandeln lässt. Gemeinsam mit acht unabhängigen kuratorischen, aktivistischen und künstlerischen Kollektiven und weiteren Gästen bietet der (Un-)Learning Place seinen Teilnehmer*innen die Gelegenheit zur Erkundung und Erprobung neuer Strategien der interdisziplinären Forschung und potenzieller disziplinübergreifender Kollaborationen. Die Tracks widmen sich den Themengebieten Übersetzung, Digitalität, Archivieren, Verkörperte Infrastrukturen sowie den Politiken von Raum und Theorie. Das Ziel ist, überkommene Denkmuster zu hinterfragen und in kollektiver Arbeit Möglichkeiten einer Neustrukturierung der Ordnung der Dinge zu entwickeln.

Jan 9–13, 2019

Auf Englisch