So, 15. August 2021

The Two Sights

R: Joshua Bonnetta, Kanada / Großbritannien 2020, 90 min | Vorfilm: C’mon Babe (Danke schön), 12 mi

The Two Sights (Film-Still)

The Two Sights (Film-Still)

The Two Sights

R: Joshua Bonnetta, Kanada / UK 2020, 90 min, OmEU

Laut Abspann wurde das Material für The Two Sights zwischen 2017 und 2019 auf den Äußeren Hebriden „gesammelt“. Zum einen sind da atemberaubende 16-mm-Landschaftsaufnahmen: Felsklippen, Strände, Pflanzen, Tiere, Häuser und Schiffe, wechselhafte Lichtverhältnisse. Zum anderen sind da Geräusche: kreischende Vögel, brausender Wind, tosendes Wasser. Aus dem Off erzählt eine Stimme auf Englisch und Gälisch von Hundeskeletten, versunkenen Dörfern, sterbenden Angehörigen. Manchmal erklingen Lieder, man hört den Seewetterbericht oder es herrscht Stille. Es geht nicht um die Bestandteile, sondern um Schnittpunkte: die Krähe im Stacheldraht verweist auf eine bisher unerzählt gebliebene Geschichte, der Gesang einer Frau scheint das Wasser leicht zu kräuseln, die rauschende Luft trägt die Erzählung.

Vorfilm:

C’mon Babe (Danke schön)

R: Sharon Sandusky, USA 1988, 12 min, OV

Sharon Sanduskys C’mon Babe (Danke schön) gilt als „der Blue Velvet des Dokumentarfilms“ und besteht ausschließlich aus Found-Footage-Material eines Films der Walt Disney Studios über das Leben und Sterben der Lemminge. Der panikartige Sturz einer Unzahl von Lemmingen über die Klippen ins Meer, in dem sie ihren Tod finden, wurde im ursprünglichen Film als dokumentarische Wahrheit vermittelt. Sharon Sandusky entlarvt in der Wiederholung das Verständnis von Geschichte als Fremdbestimmung und als obsessives Ausgeliefertsein an Verhaltensstrukturen, das der Film transportiert.