So, 04. Oktober 2015

Die Stunde da wir nichts voneinander wußten – Eine Beobachtung der Zeit

Mit Björn Meyer und Marina Galic

Peter Handke: Die Stunde da wir nichts voneinander wußten | Thalia Theater, Hamburg | Foto: Armin Smailovic

Peter Handke: Die Stunde da wir nichts voneinander wußten | Thalia Theater, Hamburg | Foto: Armin Smailovic

Momentaufnahmen des Europas der Gegenwart und seiner historischen Verfasstheit: absurde, komische und poetische Begegnungen.

Die performative Installation Die Stunde da wir nichts voneinander wußten – Eine Beobachtung der Zeit basiert auf Peter Handkes gleichnamigem Theaterstück. Die Regisseur*innen Giacomo Veronesi und Johanna Witt befragen damit das Europa der Gegenwart und seine historische Verfasstheit. In absurden, komischen und poetischen Begegnungen zweier Schauspieler*innen entstehen Momentaufnahmen, die Umbrüche markieren und Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges miteinander verweben. Auf diese Weise entfaltet sich nicht nur ein Pastiche, das den kontinuierlichen Wandel und die Flüchtigkeit der europäischen Realität in den Blick nimmt. Es ist zugleich eine Performance, die die Wahrnehmung für die Endlichkeit der Dinge schärft und Techniken der Zeit mit den Zuschauern erprobt.

Theaterperformance von Giacomo Veronesi und Johanna Witt, Thalia Theater, Hamburg, nach Tiit Ojasoos und Ene-Liis Sempers Inszenierung des gleichnamigen Theaterstücks von Peter Handke. Dramaturgie: Sandra Küpper, Textfassung: Christian Winkler, Ausstattung: Nursel Kilinc und Imke Ludwig. Mit Björn Meyer, Marina Galic, Schauspieler*innen, Hamburg

Eine Koproduktion vom Haus der Kulturen der Welt im Rahmen des Projekts 100 Jahre Gegenwart mit dem Thalia Theater Hamburg.


Biografien

Marina Galic besuchte von 1994 bis 1998 die Otto-Falckenberg-Schule in München. Seither war sie am Schauspielhaus in Zürich engagiert, spielte bei Thomas Ostermeier in der Baracke des Deutschen Theaters in Berlin und folgte ihm 1999 an die Schaubühne. Von 2002 bis 2009 war sie am Bayerischen Staatsschauspiel in München engagiert. 2004 erhielt sie den Förderpreis des Vereins der Freunde für Nachwuchsschauspieler, 2006 den Bayrischen Kunstförderpreis. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist sie festes Ensemblemitglied am Thalia Theater und spielt u.a. Solveig in Peer Gynt (Regie: Jan Bosse), Brünnhilde im Ring nach Wagner und Hebbel (Regie: Antú Romero Nunes) und in Die Stunde da wir nichts voneinander wußten von Peter Handke (Regie: Tiit Ojasoo/Ene-Liis Semper).

Sandra Küpper studierte Theaterwissenschaften, Journalistik und Germanistik an der Universität Leipzig und Wien sowie Dramaturgie in Hamburg. Noch zu Studienzeiten arbeitet sie u. a. mit den Regisseuren Roger Vontobel, Christine Eder, Hanna Rudolph und Friederike Czeloth. Von 2006 bis 2009 war sie unter der Intendantin Anna Badora feste Dramaturgin am Schauspielhaus Graz. Dort arbeitet sie außerdem regelmäßig mit Tom Kühnel und Suse Wächter. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist sie feste Dramaturgin am Thalia Theater und arbeitet hier vor allem mit den Regisseuren Antú Romero Nunes, Kornél Mundruczó und dem Regieteam Tiit Ojasoo/Ene-Liis Semper.

Björn Meyer studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und war bereits in mehreren Studienprojekten am Thalia Theater, St. Pauli Theater und auf Kampnagel zu sehen. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Johannes Ender entstanden zahlreiche Arbeiten, u.a. Das Duell, Der Schimmelreiter und KarlMaySelf. Außerdem spielt Björn Meyer auch immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen. Am Thalia Theater ist er inzwischen regelmäßiger Gast und u.a. in der Thalia Soap Rennbahn der Leidenschaft von Christian Winkler, in Die Wilde 13 von Olivia Wenzel (Regie: Jan Gehler), Bei den wilden Kerlen (Regie: Christina Rast) und in Die Stunde da wir nichts voneinander wußten von Peter Handke (Regie: Tiit Ojasoo/Ene-Liis Semper) zu sehen.

Giacomo Veronesi studierte Wirtschaftswissenschaften in Havanna, Hongkong und Mailand. Dort folgte an der Paolo Grassi Academy seine Regieausbildung. Er realisierte freie Projekte außerhalb konventioneller Theaterschauplätze und nahm an Residency Programmen in Italien und der Schweiz teil. Zusammen mit Anatolj Vasiliev arbeitete er als Schauspieler in Frankreich und Polen an einem vierjährigen Projekt mit mehr als 100 internationalen Künstlern zu den Stücken und Novellen des Nobelpreisträgers Luigi Pirandello. Seit der Spielzeit 2014/15 ist er fest als Regieassistent am Thalia Theater engagiert.

Christian Winkler studierte Germanistik in Graz und Kulturmanagement in London am Goldsmiths College, sowie Szenisches Schreiben bei uniT. 2007 erhielt er den Retzhofer Literaturpreis, 2012 das Literaturstipendium der Stadt Graz. Es folgten Einladungen zu den Werkstatttagen am Burgtheater, zum hotINK-Festival New York und zu „Text trifft Regie“ am Staatstheater Mainz. Für das Stück In den Arkaden erhielt er 2010 den Stückepreis der Berliner Schaubühne, für Räuberzelle den Kritikerpreis für das beste Hörspiel 2012. Verschiedene Theaterprojekte entstehen, gemeinsam mit Franz von Strolchen, u.a. STAMMTISCH – Trilogie des Zusammenlebens Vol. 1 (2014), MAIDORF – Trilogie des Zusammenlebens Vol. 2 (2016) und FICTIONAL STATE – Trilogie des Zusammenlebens Vol. 3 (2015). Ab 2013 ist die 13teilige Serie Rennbahn der Leidenschaft am Thalia Theater in Hamburg zu sehen.

Johanna Witt studierte Communication and Cultural Management an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Während ihres Studiums organisiert sie u.a. das studentische Kulturfestival „seekult“ und realisiert in diesem Rahmen ein eigenes Theaterprojekt. Nach Hospitanzen am Thalia Theater bei Jan Bosse und Leander Haußmann ist sie seit der Spielzeit 2014/15 feste Regieassistentin am Thalia Theater. Sie inszeniert in der Gauß Garage die Thaliasoap Rennbahn der Leidenschaft #3.2 und organisierte Lesungen der Reihe „Kulturlandschaften“.