So, 01. Juni 2014

Truth: Morteza Avini

Catherine David, Agnès Devictor und Hamed Yousefi

Morteza Avini, Haqiqat, 1980-81

Morteza Avini, Haqiqat, 1980-81

Während das iranische Filmkunstschaffen weltweit bekannt ist, blieb dem Publikum doch zum großen Teil ein Genre verborgen, das den Namen „Sacred Defense Cinema“ trägt; Kriegsfilme, die vor Ort in hohem Maße geschätzt werden. Über zweihundert solcher Produktionen, die sowohl in den Bereich des Fiktionalen wie auch des Dokumentarischen gehören, wurden seit Beginn des Iran-Irak-Krieges im Jahr 1980 produziert. Diese Kriegsfilme verbinden unmittelbar den militärischen Konflikt mit Vorstellungen vom Märtyrertum und dem Festhalten am religiösen Glauben.

Diese Präsentation widmet sich dem Werk von Morteza Avini (1947-1993), einem Pionier in diesem Genre. Avini drehte seine ersten Dokumentationen an den Frontverläufen des Iran-Irak-Krieges, woraus seine Fernsehdokumentationsreihe Truth (Haqiqat, 1980-1981) entstand. Für Avini stand bei diesem Krieg nicht bloß die Verteidigung des iranischen Staates auf dem Spiel, sondern auch religiöse Ideologie und Klassenzugehörigkeit. Diese Überzeugung führte ihn dazu, mit seiner Serie das Hauptaugenmerk auf muslimische Freiwillige – die Basijis – zu lenken, statt sich der iranischen Armee insgesamt zu widmen. Episoden aus Truth werden gemeinsam mit einer Auswahl aus der vielleicht bekanntesten Reihe des Regisseurs – Narration of Triumph (Revayat-e Fath, 1985–1988) – zu sehen sein. Diese Fernsehserie, die mehr als siebzig Dokumentationen umfasst, konzentriert sich auf den Konflikt, die Frontverläufe, sowie das Leben der Soldaten und weist ein ungewöhnliches, selbstreflektierendes Bewusstsein hinsichtlich der Grenzen des Mediums auf.

Die Screenings werden von einem anschließenden Gespräch von Catherine David mit der Filmwissenschaftlerin Agnès Devictor und dem Kulturkritiker Hamed Yousefi begleitet.

Truth (Haqiqat) TV-Serie, Morteza Avini (Iran 1980-81)