Das Filmprogramm verwandelt den Safi Faye Saal in ein temporäres Walk-in-Kino. Die ausgewählten historischen und zeitgenössischen Filme zeigen fiktionale wie dokumentarische Perspektiven auf die Geschichte der Tirailleurs und anderer kolonisierter Soldat*innen –bewusst im Kontrast zu vorherrschenden Narrativen.

Im Zentrum stehen Stimmen und Bilder, die systematisch marginalisiert wurden: Menschen, die in Kriegen kämpften, die nicht die ihren waren, deren Geschichten fragmentiert, verdrängt oder nie aufgezeichnet wurden. Die Filme verweigern sich heroischen Erzählungen und richten den Blick stattdessen auf Erfahrungen von Zwang, Ausbeutung, Loyalitätskonflikten und strukturellem Rassismus – ebenso wie auf Akte des Widerstands, der Selbstbehauptung und der Verteidigung eigener Erinnerungen.

Die Arbeiten verhandeln dabei unterschiedliche Facetten kolonialer Gewalt und ihrer Nachwirkungen: In Emitaï und Indigènes geht es um den Widerstand gegen koloniale Herrschaft; Tasuma und Cabascabo zeigen die Enttäuschung und Isolation der Rückkehrenden. J’ai tant aimé und Cornwallis Cloth machen weibliche Perspektiven sichtbar, Wings of Takasago Giyutai widmet sich dem Gedenken an die Vorfahr*innen Indigener taiwanesischer Freiwilligeneinheiten. Indochine. Sur les traces d’une mère geht der Suche nach Familie nach, während Baroud d’honneur den bis heute andauernden Kampf um Rechte, Anerkennung und Entschädigung offenlegt.

Gemeinsam begreifen die Filme Kino als Ort der Gegen-Erinnerung. Sie dezentrieren hegemoniale Geschichtsschreibung und öffnen einen Raum, in dem Vergangenheit nicht abgeschlossen, sondern als politisch wirksam in der Gegenwart lesbar wird – in einer Welt, die weiterhin von Kriegen und Gewalt geprägt ist.