Cheikh Lô ist Sänger, Musiker und spiritueller Botschafter. Er überschreitet die Grenzen von Genres und Kulturen, vereint unterschiedliche Stile und Einflüsse und bleibt dabei doch unverwechselbar. Als Gitarrist, Perkussionist und Drummer genießt er einen exzellenten Ruf, weltbekannt wurde er aber vor allem als Singer/Songwriter mit seiner großen, warmen und immer etwas heiseren Stimme.  

Er wurde 1955 als Sohn senegalesischer Eltern in Bobo-Dioulasso im Südwesten von Burkina Faso geboren und fühlte sich früh zur Musik hingezogen. Die in den 1970ern in Westafrika enorm populäre kongolesische Rumba und lateinamerikanische Musik wurden zu prägenden Einflüssen. Mit seiner ersten Band, dem Orchestra Volta Jazz, spielte er kongolesischen Pop. Anfang der 1980er ging er nach Dakar, tauchte in die dortige lebendige Clubszene ein und wurde als Drummer und Sänger diverser Mbalax-Bands im Hotel Savana engagiert. Anschließend lebte er eine Weile als vielgebuchter Studiomusiker in Paris, bevor er 1990 nach Dakar zurückkehrte, seine erste Musikkassette veröffentlichte und schließlich eine enge Zusammenarbeit mit Youssou N’Dour begann, der auch sein Debütalbum Ne La Thiass produzierte, eine Mischung aus Mbalax, Reggae und kongolesischem Soukous, getragen von Cheikh Lôs einzigartiger Stimme. Mit diesem Album wurde er schlagartig berühmt. Weitere Alben und eine Weltkarriere folgten. 2010 erschien das viel beachtete Album Jamm, eine Mischung aus westafrikanischer und kubanischer Musik, Funk und Flamenco.  

Sein gesamtes musikalisches Schaffen widmet Cheikh Lô den Werten der Bruderschaft der Baye Fall. Diese ist Teil der gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Cheikh Ahmadou Bamba Mbacké in Opposition gegen die französiche Kolonialherrschaft gegründeten muslimischen Vereinigung der Murīdīya, die sich in Westafrika der karitativen Arbeit, der Bescheidenheit und dem lebenslangen spirituellen Lernen verpflichten. Bambas Schüler Cheikh Ibra Fall schuf daraus die Baye-Fall-Bruderschaft, die geprägt ist von einem Streben nach Frieden, Toleranz und sozialer Gerechtigkeit.  

Cheikh Lôs jüngstes Album Maame von 2025, das erste nach einer zehnjährigen Schaffenspause, besteht hauptsächlich aus religiösen Liedern der Baye Fall, verbunden mit Mbalax, afro-kubanischen Einflüssen, Reggae und Soul. Gesungen wird auf Wolof, Dioula, Malinke, Französisch und Englisch. Maame ist ein Tribut an die beiden Religionsgründer sowie an seinen eigenen Lehrer Maame Massama Ndiaye. Das Album ist zugleich Rückkehr zu Cheikh Lôs spirituellen Wurzeln wie auch Neuerfindung – eine kraftvolle Wortmeldung als kultureller Botschafter und moralische Stimme, als die er in ganz Afrika verehrt wird.