Justin Adams & Mauro Durante mit Alessia Tondo | Majid Bekkas & Bassekou Kouyaté
Konzerte
19:00–20:00 Justin Adams & Mauro Durante with Alessia Tondo
20:30–22:00 Majid Bekkas & Bassekou Kouyaté
22:00–00:00 DJ-Set (Magnus Hirschfeld Bar)
Sa., 27.6.2026
19:00–00:00
Paulette Nardal Terrasse
24€ / ermäßigt 20€ (Abendticket)
Justin Adams & Mauro Durante mit Alessia Tondo
Was als kurze Begegnung geplant war, entwickelte sich zu einer sehr erfolgreichen und dauerhaft tourenden Kooperation. Der Gitarrist Justin Adams und der Violinist und Perkussionist Mauro Durante aus Apulien, der Heimat der Tarantella, sprechen seit 2020 eine gemeinsame musikalische Sprache und haben dieses Duo seither noch um Alessia Tondo von den Canzionere Grecanico Salentino und mitunter auch Yousra Mansour von der Gnawa-Band Bab L' Bluz erweitert. Zu viert sind sie als transmediterranes Projekt Almare unterwegs, im HKW spielen sie zu dritt, während Yousra Mansour einige Tage später mit ihrer eigenen Band Bab L' Bluz auftritt. Zwei preisgekrönte Platten veröffentlichten Adams und Durante bisher zusammen: 2021 Still Moving und 2025 Sweet Release. Die Grundlage beider ist Durantes Tarantella-Backgound: die süditalienischen Pizzica- und Tammuriata-Rhythmen. Mauro Durante ist in seiner Heimat, der Halbinsel Salento in Apulien Leiter der bekannten und preisgekrönten Formation Canzionere Grecanico Salentino, die 1975 von seiner Familie gegründet wurde und seither auf zahlreichen großen Musikfestivals weltweit aufgetreten ist. Er gilt als Erneuerer und Bewahrer der Pizzica- und Tarantella-Traditionen und machte sie international bekannt. Der Gitarrist und Produzent Justin Adams ist vor allem für seine Arbeit mit Robert Plant, Sinead O’Connor, Tinariwen und Rachid Taha bekannt. Er verbrachte seine Kindheit im Nahen Osten, seither lässt ihn die Musik Nordafrikas nicht mehr los. In diesem Konzert geht es also um die enge Verwandtschaft von Gnawa und Tarantella, beide Musiken sorgen mit ihren minimalistischen, tranceinduzierenden Rhythmen für Linderung und Heilung durch Tanz. Ursprünglich entstand die Tarantella, um Spinnenbisse zu kurieren. Bei der Feldarbeit kamen die Einwohner Süditaliens häufig mit Taranteln in Berührung, deren Gift man durch ausdauerndes ekstatisches Tanzen wieder auszuschwitzen hoffte. In Solidarität tanzte die ganze Dorfgemeinschaft mit und nahm so an der Heilung aktiv teil.
Majid Bekkas & Bassekou Kouyaté
Dass Majid Bekkas und Bassekou Kouyaté bei diesem Festival zusammen auf der Bühne stehen, ist fast eine Selbstverständlichkeit – und doch ein Ereignis. Bekkas, in Marokko und weit darüber hinaus schlicht „Mister Magic“ genannt, ist jener seltene Multiinstrumentalist, der in seinen Begegnungen mit herausragenden Musikern aller Kontinente immer den kürzesten und zugleich schönsten Weg findet. Schon vor Jahrzehnten, als die Gnawa noch überwiegend als rein rituelle Musik wahrgenommen wurde, gehörte er zu den ersten Maalems, die ihre Musik bewusst in den Dialog mit ihren subsaharischen Wurzeln zurückführten – jener Welt, aus der die Gnawa selbst einst über die transsaharischen Karawanenwege nach Marokko kam. Bekkas’ eigene Familie stammt aus Zagora, jenem südmarokkanischen Wüstentor, das im 16. Jahrhundert unter Ahmed Al-Mansour Marrakech mit Timbuktu verband: derselbe Boden, auf dem Bassekou Kouyaté heute steht. Kouyaté, geboren am Ufer des Niger im alten Reich von Ségou, ist der unbestrittene Erneuerer des Ngoni – jener archaischen Spießlaute, aus der über die Routen des Handels mit versklavten Menschen der atlantischen Welt einmal das amerikanische Banjo hervorgehen sollte und die zugleich ein naher Verwandter des Guembri ist. Wenn Bekkas und Kouyaté also miteinander spielen, sucht ihre Musik nicht nach Brücken zwischen fremden Welten – sie greift in den gemeinsamen Boden hinab, aus dem beide Traditionen einst gewachsen sind. Beide haben eine eindrucksvolle musikalische Karriere hingelegt: Bekkas mit Archie Shepp, Randy Weston, Pharoah Sanders, Joachim Kühn und Klaus Doldinger, mit wegweisenden Alben wie African Gnaoua Blues(2002) und Magic Spirit Quartet (2020); Kouyaté mit Toumani Diabaté in dessen Symmetric Orchestra, auf Ali Farka Tourés letztem Album Savane (2006), mit Taj Mahal, Béla Fleck, Damon Albarn und Bonos Projekten, dazu eigene Meilensteine wie Segu Blue (2007), I Speak Fula (2009) und Ba Power (2015). Zwei Meister, zwei Spießlauten, eine einzige große Linie quer durch die Sahara: was hier zu hören sein wird, ist weniger eine Fusion als eine Heimkehr.