When Pixels Wash Ashore
Marina Otero Verzier
Performance-Lecture
Sa., 23.5.2026
18:30
Safi Faye Saal
Auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung
Eintritt frei

Dan Miller und Marina Otero Verzier, When Pixels Wash Ashore (2024), Filmstandbilder. Courtesy the artists
When Pixels Wash Ashore ist eine Videoinstallation, die sich mit Tuvalu befasst. Der pazifische Inselstaat droht aufgrund steigender Meeresspiegel infolge der sich beschleunigenden Erderwärmung zu versinken. In Reaktion auf den möglichen Verlust ihrer physischen Heimat plant die Regierung von Tuvalu, vollständig virtuell zu werden und die Existenz der Nation in die Cloud zu verlagern. Während die Menschen die eskalierenden Auswirkungen der Klimakrise miterleben, stellen sich mit der Schaffung von Tuvalus digitalem Zwilling dringliche Fragen nach der Herausforderung, angemessene Antworten auf die Fragilität von Umwelten und Gemeinschaften zu finden. Im Rahmen dieser Performance-Lecture untersucht das Werk zudem die komplexe Spannung zwischen treuhänderischer digitaler Bewahrung von Wissen und Traditionen und den keinesfalls nachhaltigen Praktiken der Digitalindustrie: Die Weigerung, Daten an die Infrastruktur der Big Tech-Konzerne zu übermitteln, kann zur Auslöschung aus globalen Narrativen und Archiven führen. Die Weitergabe der Daten wiederum bedeutet, die Komplexitäten und affektiven Beziehungen aufzugeben, die traditionelles Wissen und kulturelles Erbe prägen. Wie können wir angesichts der Klimakatastrophe für greifbare und verkörperte Räume sorgen, sie bewahren und letztlich um ihren Verlust trauern? Und welches Potenzial kann die infrastrukturelle Neugestaltung einer Nation bergen, die sich ohne Territorium wiederfindet?
When Pixels Wash Ashore stellt eine Verbindung zwischen Digitalisierung und Staatskunst her. Dabei greift das Werk auf kritische Kartografien zurück, um die Definition von Territorium und dessen Abgrenzung neu zu überdenken. Das Projekt analysiert, wie Staaten Territorien an ihren Bruchstellen vermessen und festlegen, und wie die zur Kartierung der Auswirkungen des Klimawandels eingesetzten räumlichen und zeitlichen Instrumente die Fragilität territorialer Rahmenbedingungen offenbaren. Es hinterfragt die Abhängigkeit von mit Sensoren aus großer Distanz erfassten Daten um die Auswirkungen der Klimakrise sdarzustellen, insbesondere mit Hinblick auf die Anfälligkeit solcher Daten für Verzerrungen, Verschlechterungen oder Verschleierungen. Zugleich führen die ‚offline‘ gegebenen Zustände dazu, dass der physische Standort von Tuvalu ökologisch instabil wird.