So., 26. März 2006

Rotes Kornfeld

Regie: Zhang Yimou

Zhang Yimou | Rotes Kornfeld | Copyright: Promo

Zhang Yimou | Rotes Kornfeld | Copyright: Promo

VR China 1987, 120 min., OmU

Kurz nach ihrer Zwangsverheiratung mit einem Schnapsbrenner wird die 18jährige Jiur schon wieder Witwe. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe, dem Sänftenträger Yu, beschließt die junge Frau, die Destillerie ihres verstorbenen Mannes zu modernisieren. Ein glückliches, aber kurzes Leben beginnt - bis die Japaner in China einfallen und eine Straße durch Jiurs Kornfeld bauen wollen.

Nach dem gleichnamigen Roman von Mo Yan. Zhang Yimous wurde für sein Regiedebüt, mit dem auch die Schauspielerin Gong Li zum Star wurde, 1988 mit dem «Goldenen Bären» ausgezeichnet.


Eine Verbindung von Erinnerung und Leidenschaft

Für manche Chinesen könnte es eine fast traumatische Erfahrung sein, Rotes Kornfeld zu sehen. Der Film - für den chinesischen Geschmack auffallend rau, geradlinig, geradezu hemmungslos in stilistischer wie moralischer Hinsicht - ist ein Affront vieler lieb gewonnener Formeln kultureller Praxis in China: die tief verwurzelten konfuzianischen Moralcodes von Nüchternheit und Anstand, ein Kunstverständnis, das Strategien der Verschwiegenheit und Zurückhaltung favorisiert; und eine ästhetische Haltung, die Delicatesse und Raffinement den Vorzug gibt. Nie zuvor sah sich das chinesische Kino einer derart ungezügelten Lebensweise und visuellen Rohheit ausgeliefert.

Aus: Yuejin Wang, „Mixing Memory and Desire“, in: Perspectives on Chinese Cinema, ed. by Chris Berry, British Film Institute 1991, S. 80