Di., 09. Mai 2006 und Mi., 10. Mai 2006

Fantasy of the Red Queen

Oper von Liu Sola

Eine Geste aus der Chinesischen Oper. Ihre Bedeutung: Gelinde Überraschung. | Copyright: Lu Yue

Eine Geste aus der Chinesischen Oper. Ihre Bedeutung: Gelinde Überraschung. | Copyright: Lu Yue

Eine Auftragsproduktion des Hauses der Kulturen der Welt in Kooperation mit dem Ensemble Modern

Dirigent: Johannes Kalitzke

Ein Spiel um die Macht der Illusion und die Illusion der Macht. Die Komponistin Liu Sola inszeniert Politik als Wahngebilde: Krank und verwirrt verschmilzt eine alte Frau in ihrer Fantasie mit Jiang Qing, der vierten Frau Maos und Anführerin der „Viererbande“, dem berühmt-berüchtigten kulturrevolutionären „Hauptquartier“. Durch eine Video-Wand sieht sie sich und Szenen aus dem Leben Jiang Qings: als junge Schauspielerin in Shanghai, als Gemahlin Maos und als „Rote Königin“ auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution. Doch die Roten Garden von damals sind heute ersetzt durch die Wächter einer neuen Gesellschaftsordnung, die sich auf Mobiltelefone, eine globalisierte Warenwelt und Geschmacksverstärker stützt. Auf dem Krankenhausbett sitzend diskutiert die „Rote Königin“ mit dem Teufel über die Beziehung von Macht und Tradition...

Liu Solas Partitur verzichtet bewusst auf musikalische Reinheit, sie entsteht im Gegenteil durch einen Prozess der Komposition und De-Komposition. Motive aus Revolutionsliedern, Shanghai Pop, 30er-Jahre-Jazz, „Revolutionärer Tango“, traditionelle Chinesische Oper, chinesischer Hip-Hop sowie klassische und zeitgenössische westliche Musik werden collagiert. Die Mitglieder des Ensemble Modern treten gleichzeitig als Sicherheitsleute auf, die Instrumentalisten aus China verkörpern das Krankenhauspersonal - auch hier verschmelzen die Rollen. Wie aus dem historischen Geschehen tritt die kommunistische Königin aus dem vollständig schwarz-weiß gehaltenen Bühnenbild hervor - in der leuchtend roten Robe der „Red Queen“.