Mi, 13. September 2006

Luiz Ruffato (Brasilien)

Luiz Ruffato | Copyright: Daniel Mordzinski

Luiz Ruffato | Copyright: Daniel Mordzinski

Im gefeierten Romandebüt „Eles eram muitos cavalos“ (Ü: Da waren viele Pferde) spiegeln sich Chaos und Schnelllebigkeit São Paulos in der fragmentierten Sprache.

Luiz Ruffato zieht entscheidende literarische Impulse aus seiner Herkunft aus der Arbeiterschaft, aus einer Einwanderfamilie. Seine Mutter, mit italienischen Wurzeln, ist Wäscherin, sein Vater, mit portugiesischer Abstammung, ein Popcornverkäufer. Er selbst wandte sich zwar schon früh der Literatur zu, absolvierte jedoch zunächst eine Ausbildung zum Verkäufer. Anschließend arbeitete er tagsüber als Mechaniker, studierte abends Journalismus.


Luiz Ruffato debütierte 1998 mit dem Kurzgeschichtenband „Histórias de remorsos e rancores“ (Geschichten von Gewissensbissen und Groll), ließ dann 2000 die Erzählsammlung „os sobreviventes“ (die überlebenden) folgen. Für seinen ersten Roman „Eles eram muitos cavalos“ (Es waren viele Pferde, 2001), ein Panorama der zwei Welten der Metropole São Paulo, wurde er von der Kritik als Erneuerer der brasilianischen Literatur gelobt. Zum einen eine Stadt der Reichen mit Luxusautos und repräsentativen Residenzen, zum anderen Heimat einer armen Masse, die mühsam ihren Alltag fristet. Das Werk ist eine Folge von Erzählungen, persönlichen Notizen, Aussagen, Reflexionen und Bildern in 69 Episoden oder Kapiteln, die alle an einem einzigen Tag spielen. Zeitungsartikel finden darin ebenso Eingang wie Speisekarten, Verkaufsbroschüren und Kleinanzeigen, so dass verschiedene Stilebenen unmittelbar nebeneinander stehen. Die exponierte Bedeutung von Bildlichkeit verleiht dem Roman eine filmische Atmosphäre, die mit schnellen Schnitten den Eindruck von Authentizität vermittelt. Für das Werk, das auch in Italien, Frankreich und Portugal erschien, wurde Ruffato mit dem bedeutenden Prêmio Machado de Assis der Stiftung Nationalbibliothek und dem Prêmio Associação Paulista de Críticos de Arte ausgezeichnet.

Der Autor, 1961 in Cataguases im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren, lebt und arbeitet in São Paulo.



Eine Veranstaltung des internationalen literaturfestivals berlin im Rahmen des Projektes "Copa da Cultura - Brasilien und Deutschland 2006" in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt und dem Ministério da Cultura do Brasil.