So, 01. Mai 2016

The Paradigm of Incomputability

Mit Antonia Majaca (Kunsthistorikerin, Kuratorin) und Luciana Parisi (Medienphilosophin)

Da unsere datengesteuerten Kulturen das Denken durch das Bild der vernetzten Kommunikation ersetzt haben, werden auch unsere politischen Vorstellungen zunehmend durch Datenströme bestimmt. In diesem neuen Regime lassen sich Handlungen und deren Konsequenzen nicht länger aus der Logik einer sicheren Wahrheit ableiten. Es ist vielmehr so, dass in dieser fortwährenden Kombinatorik aus willkürlichen Daten nur der Fehler noch die Fähigkeit zu besitzen scheint, ein programmiertes System einem neuen, unvorhersehbaren Ende entgegenzuführen.

Und dennoch sollte man mit dem politischen Potenzial des Widersprüchlichen vorsichtig umgehen, gerade weil es dem System die Fähigkeit zuschreibt, sich gänzlich selbst zu konterkarieren. Gleichzeitig tritt die Subjektivität in die Dialektik einer widersprüchlichen und sogar ‘asymmetrische Symmetrie’ ein, sobald sie auf dieses aus Selbstkontrolle und Transparenz bestehende Regime trifft: Während auf der einen Seite immer komplexer werdende Systeme freiwilliger Unterwerfung das Subjekt komplett transparent und somit uneingeschränkt sichtbar machen, wird auf der anderen Seite das System selbst zunehmend durchsichtig und damit sogar gänzlich unsichtbar. Wie müsste eine politisch bedeutsame Intervention aussehen, die sich diesem paradoxen Wechselspiel entgegenstellt? Der Vortrag entwirft eine fiktionale Theorie von Subjektivität und diskutiert diese im Rahmen ihrer (xenogenen) Logik und Technologien.

Antonia Majaca ist Forscherin und Kuratorin sowie Gastprofessorin am Institut für Zeitgenössische Kunst an der TU Graz, wo sie sich mit der kunstbasierten transdisziplinären Forschung und der Epistemologie der Kunst im Zeitalter der algorithmischen Governmentalität befasst.Ihr auf drei Jahre angelegtes Forschungs- und Publikationsprojekt The Incomputable, gefördert vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF, wird aktuell mit einer internationalen Plattform entwickelt, an der die TU Graz, die Goldsmiths University in London und die Universität von Neapel beteiligt sind. Kürzlich hat sie gemeinsam mit Patricia Reed und Mohammad Salemy Knowledge Forms and Forming Knowledge - Limits and Horizons of Transdisciplinary Art-Based Research in der Halle für Kunst & Medien, Graz sowie Memorial For(u)ms – Histories of Possibility für den DAAD und das HAU in Berlin kuratiert.

Luciana Parisi ist Dozentin für Cultural Theory, Chair des PhD Programms am Centre for Cultural Studies und Co-Direktorin der Digital Culture Unit, Goldsmiths University of London. Ihre Arbeit befasst sich mit einer philosophischen Untersuchung der ontologischen und epistemologischen Funktionen von Technologie in Kultur, Ästhetik und Politik. Sie interessiert sich für Kybernetik, Informationstheorie und Computation, Komplexität und evolutionäre Theorien sowie für das technokapitalistische Investment in künstliche Intelligenz, Bio- und Nanotechnologie. Ihr Buch Abstract Sex: Philosophy, Biotechnology and the Mutations of Desire erschien 2004, 2013 dann Contagious Architecture: Computation, Aesthetics and Space. Zurzeit erforscht sie die Geschichte der Automation und die philosophischen Konsequenzen logischen Denkens in Maschinen.