Schulprojekt zu Radiophonic Spaces – Feldforschungen zur Kartierung des Unsichtbaren

Musik, Nachrichten, Töne überhaupt durchdringen dank Radiotechnologie seit mehr als 100 Jahren scheinbar mühelos Zeit und Raum. Unsichtbare Wellen verbinden die entferntesten Orte der Welt miteinander, übermitteln Informationen, Unterhaltung und vieles mehr.
In drei Workshops erforschten Schüler*innen zusammen mit dem Illustrator und Radiomoderator Dan Abbott und dem büro eta boeklund die Klang- und Wissensräume des begehbaren Radioarchivs Radiophonic Spaces. Mit künstlerischen Mitteln näherten sie sich den Inhalten des Archivs und machten Unsichtbares sichtbar, visualisierten Störungen, untersuchten Stille ebenso wie Lärm und fragten, was Radio zu Kunst macht. In kurzen Audioclips dokumentierten sie die Ergebnisse der Workshops.

Workshop 1: Destroy your Headphones
Ein Mix aus Unterhaltung, gutem Empfang und vielen Störgeräuschen – so kommentierten die Schüler*innen der Montessori Gemeinschaftsschule Berlin Buch den Radioparcours. Zwischen Musik, Hörspielen und anderen Formaten suchten sie sich wie menschliche Sendersuchnadeln ihren Weg durch das Radioarchiv. Als Untersuchungsfeld stellten sich die Störungen als besonders interessant heraus. Zwischen Irritation, und der Suche nach Orientierung boten sie viel Potential. Der radikale Lösungsvorschlag? Destroy your Headphones! Natürlich nur theoretisch.



Workshop 2: Inappropriate Behaviour
Man habe schon damit gerechnet im HKW auf schräge Sachen zu stoßen, sei halt Kunst, so kommentierten es Schüler*innen der 10. Klasse des Friedrich-Ebert-Gymansiums. All die merkwürdigen Geräusche, schrägen Dialoge, sonderbaren Inhalte führten zu der Frage: Warum wird so etwas nur gesendet, wenn andere das machen? Wer bestimmt das? Und wann wird es Kunst? Entsprechend erforschte die Gruppe Klangformate, Normen und eigene Hörgewohnheiten. Das Resultat war eine Fotoserie zu Inappropriate Behaviour , undiszipliniertem Verhalten. Die Bilder loten Grenzen aus im Feld zwischen Kritik, Kunst und Experiment und bringen die Praxis ganz nah an die Theorie.



Workshop 3: Radiophonic Spaceman
„Verstörend.” „Komisch.” „Anstrengend!” „Alt, altmodisch.“ „Ist das mal modern gewesen?” Unterschiedliche Generationen haben unterschiedliche akustische Prägungen und Vorlieben. Das zeigte sich deutlich bei der Vermessung des Archivs durch Schüler*innen des Jahrgangs 7 bis 10 der Heinrich-Böll-Oberschule. Manchmal fehlte der Wiedererkennungseffekt, das Verbindende zu Gewohntem und Bekanntem. Die Frage nach den Auswahlkriterien eines Archivs wurde laut: Warum ist gerade das hörenswert? Auf dem Anzug des Radiophonic Spaceman: verbinden Linien und Punkte die Themen und Formate, die die Teilnehmer*innen sich im Archiv gewünscht hätten: aktuelle Musik, Gamesounds, Biografien und vieles mehr.