Der Ohrenmensch

Bühne des Hör-Wissens

John Cage, Strings 1-20 (1980) | Monotype, strings embossed on paper | ©John Cage Trust

John Cage, Strings 1-20 (1980) | Monotype, strings embossed on paper | ©John Cage Trust

Radiophonie beschreibt ein sich wechselseitig modifizierendes Verhältnis zwischen technisch vermittelter Wahrnehmung und dem, was historisch als Geräusch oder Klang gilt. Doch auf dem Feld der Radiophonie verschieben sich nicht nur die Grenzen zwischen Geräusch und Klang sondern auch die zwischen Gerät und Gedanke, Sender und Empfänger. Im radiophonen Raum weiß man nie genau, wo man ist, wenn man etwas hört. Die Grenzen zwischen Welt und Simulation sind nicht feststellbar in diesem Zwischenraum aus Sendung und (un)bewusster Störung. Die Frage danach, was empfangen wird und was gesendet, was ausgeblendet und was verstanden wird, folgt nicht nur technischen Prozessen und psychoakustischen Gewohnheiten, sondern auch politischen Interessen.

Was weiß das Ohr? Welche Formen nimmt dieses Wissen an und auf welchen Feldern kann es zur Anwendung kommen? Was wird aus dem technischen Apparat Radio, wenn das von ihm konstituierte Wissen in andere Technologien wandert?

Die dreitägige Veranstaltung Der Ohrenmensch eröffnet das begehbare Radioarchiv. In Konzerten, Lectures und Performances erkunden internationale Künstler*innen und Wissenschaftler*innen ästhetische und theoretische Bedingungen der Radiophonie sowie politische Handlungsmöglichkeiten im radiophonen Raum. Drei experimentelle Formate führen durch das Programm: Das Radiophone Funkkolleg geht der Frage nach, was das Hör-Wissen ist und wie es sich in der Hörerfahrung immer neu ausdrückt. In den Erkundungen werden Gäste aus Wissenschaft, Kunst und Radio dazu eingeladen, die Radiokunst-Arbeiten des begehbaren Radioarchivs auf radiophone Fragestellungen hin zu betrachten. Schließlich untersucht eine Reihe von Konzerten und Performances das „Radio-Hören“ in Hinblick auf seine musikalischen Möglichkeiten.

Mit Beiträgen von ARK (Johannes Ismaiel-Wendt, Sebastian Kunas, Malte Pelleter), Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Gilles Aubry, Hermann Bohlen, Lino Camprubí, Cevdet Erek, Wolfgang Ernst, Beatriz Ferreyra, Marie Guérin, Wolfgang Hagen, Alexandra Hui, Hassan Khan, Sebastian Kunas, Verena Kuni, Aurélie Nyirabikali Lierman, Flora Lysen, Stefan Maier, Mara Mills, Nástio Mosquito, Marko Peljhan, Marina Rosenfeld, Zoran Terzić, Viktoria Tkaczyk, Sarah Washington, Anna Zett, Elisabeth Zimmermann u. a.