Internationaler Literaturpreis - Haus der Kulturen der Welt 2010


01. Januar 2010 - 31. Dezember 2010

Die Preisträgerinnen: Claudia Kalscheuer, Marie NDiaye | Foto: Marcus Lieberenz

Die Preisträgerinnen: Claudia Kalscheuer, Marie NDiaye | Foto: Marcus Lieberenz

Der Übersetzerpreis, dotiert mit 10 000 Euro, geht an Claudia Kalscheuer, die den Roman aus dem Französischen übersetzte. Mehr zu Autorin, Übersetzerin und Buch...

Aus der Jurybegründung für die Autorin Marie NDiaye:
„Marie NDiayes ‚Drei starke Frauen’ ist ein subtiles, dicht geschriebenes, in seiner sprachlichen Ausgestaltung einen starken Sog entfaltendes Buch über gestörte Beziehungen, emotionale Abhängigkeiten und unerhörte Abgründe innerhalb der Familie: eine fein austarierte Choreographie von verstörenden Annäherungs- und Abstoßungsprozessen, deren Motiv nicht umsonst die Hitchcockschen Vögel sind. Und damit führt der Roman vor, was Schreiben jenseits der althergebrachten Kategorien von Heimat und Herkunft sein kann: ‚Weltkulturliteratur’ jenseits von Migration und Exil, die eine neue grenzüberschreitende Formensprache vorantreibt.“

Aus der Jurybegründung für die Übersetzerin Claudia Kalscheuer:
„Claudia Kalscheuer ist es gelungen, den fein austarierten, halb alptraumhaften, halb surrealen Rhythmus des Textes im Deutschen abzubilden. Sie folgt sehr genau den Satzbewegungen des französischen Originals, wählt aber an den entscheidenden Stellen Möbiusschleifen, setzt Inversionen, reduziert die Zahl der Alliterationen, ohne ihr poetisches Moment auch nur im Entferntesten aufzugeben, und schreibt auf diese Weise ihrer Übertragung die deutsche Sprachmelodie ein, lädt sie mit exakt dem gleichen dichten, verstörenden Rhythmus auf, den das Original der ‚Drei starken Frauen’ auszeichnet. Und dies ist eine Meisterleistung.“