Das lärmende Schweigen

Gilbert Gatore | Katja Meintel

Gilbert Gatore: Das lärmende Schweigen
Aus dem Französischen von Katja Meintel | Le Passé devant soi
Horlemann Verlag 2014 | Phébus, Paris 2008

„Ein ungewöhnlich couragiertes Buch über die Traumatisierungen nach dem Völkermord in Ruanda, das sich vornimmt, die Innenwelten der Opfer und der Täter zu erkunden. Mit kühlem Pathos wird der Versuch einer bilanzierenden Einfühlung in das namenlose Grauen unternommen, der sein eigenes Scheitern einbekennt und reflektiert. Im Mittelpunkt steht eine ins französische Exil geflüchtete Überlebende, die nach Ruanda zurückkehrt auf der Suche nach Erklärungen und nach Erzählmodellen für den Blutrausch, der ihre Landsleute 1994 zu bestialischen Mördern gemacht hat. Ein zweiter Erzählstrang vertieft sich in die Innenansicht der Gegenfigur: des Massenmörders Niko. Das gegenläufige Erzählen aus der Opfer- und aus der Täterperspektive macht den Roman des ruandischen Autors zu einem unerhörten Experiment mit offenem Ausgang: Das Erzählen kann nicht heilen und die Schuld kann nicht abgetragen werden.“ (Jurykommentar zur Shortlist-Nominierung 2015)

Das lärmende Schweigen

Das lärmende Schweigen

Isaro wurde als Waisenkind aus Ruanda adoptiert. Sie wächst in Frankreich auf, wo sie inzwischen ein unbeschwertes Leben als Studentin führt. Zunehmend politisch bewusst werdend, beginnt sie, sich mit den Geschehnissen in ihrer ursprünglichen Heimat auseinanderzusetzen. – Niko, von Geburt an stumm, scheint ein eher schlichtes Gemüt; der Junge floh während des Krieges auf eine legendenumwobene Insel, versteckte sich vor den Menschen und lebte in einer Gruppe Affen. Isaro will verstehen, was 1994 geschah, und reist nach Ruanda, um Berichte von Zeitzeugen zu sammeln. Niko hingegen will vergessen. Doch beide müssen sich ihren Erinnerungen stellen und der Fragen, wie man der Vergangenheit begegnen, mit ihr umzugehen kann.

Gilbert Gatore | © Mado

Gilbert Gatore | © Mado

Der Autor

Gilbert Gatore wurde 1981 in Ruanda geboren und lebt in Paris, wo er an den Hochschulen Sciences Po und Haute École du Commerce (HEC) studierte. Für seinen Debütroman Das lärmende Schweigen/ Le Passé devant soi erhielt er den Prix Universitaire de la Nouvelle sowie den Prix Ouest-France Étonnant Voyageurs. Er ist selbst Flüchtling des Völkermords 1994 in Ruanda und führte währenddessen ein Tagebuch, das bei seiner Flucht verlorenging.

Katja Meintel | © privat

Katja Meintel | © privat

Die Übersetzerin

Katja Meintel, geboren 1975, studierte Romanistik, Ethnologie und Germanistik in Freiburg i.Br. und Lyon. Sie promovierte zum frankophonen Kriminalroman aus dem subsaharischen Afrika. Aktuell ist sie in der Region Basel als Übersetzerin, Lektorin und Dozentin tätig. Sie übersetzte aus dem Französischen und Englischen, u.a. Werke von Abdourahman Waberi, Hubert Haddad, Bessa Myftiu und In Koli Jean Bofane. Für das Übersetzungsprojekt In den Vereinigten Staaten von Afrika wurde sie 2006 mit dem Stefan-George-Preis ausgezeichnet.

Zuletzt erschienen:
In Koli Jean Bofane: Sinusbögen überm Kongo; Horlemann Verlag 2013 (Mathématiques congolaises; Actes Sud, Paris 2008)
Patrick Pécherot: Boulevard der Irren; Nautilus Verlag 2011 (Boulevard des Branques; Gallimard, Paris 2005)
Abdourahman A. Waberi: Tor der Tränen; Nautilus Verlag 2011 (Passage des larmes; JC Lattès, Paris 2009)
Brigitte Kuthy Salvi: Lichtspuren; Limmat Verlag 2010 (Double lumière; Éditions de l’Aire, Vevey (Schweiz) 2009)
Bessa Myftiu: An verschwundenen Orten; Limmat Verlag 2010 (Confessions des lieux disparus; Éditions de l’Aube, La Tour-d’Aigues 2007)

Eigene Publikationen:
Im Auge des Gesetzes. Kriminalromane aus dem frankophonen Afrika südlich der Sahara- Gattungskonventionen und Gewaltlegitimation; Shaker Verlag 2008