Where the Tirailleurs’ Stories Meet
Mit Samia Chabani (Ancrages, Marseille)
Gespräch
Moderiert von Paz Guevara und Qu Chang
Sa., 13.6.2026
15:00–16:00
Sylvia Wynter Foyer
Auf Englisch
Eintritt frei
Dieses Panel stellt die Arbeit von Ancrages vor. Mit einer eigenen, ortsbezogenen Methode und Praxis fördert der Kunstraum in Marseille die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Tirailleurs sowie mit den Kollektiven und individuellen Stimmen, die Reparationen fordern. Ancrages wurde im Jahr 2000 gegründet und setzt sich dafür ein, die Kulturen und Erinnerungen migrantischer Communitys zu würdigen, die Marseille im Laufe seiner Geschichte geprägt haben. Als bedeutsamer Mittelmeerhafen und strategischer Transitpunkt während beider Weltkriege stellte Marseille einen zentralen Schauplatz für die Bewegungen und Erfahrungen der Tirailleurs dar.
Im Rahmen der Diskussion wird erörtert, wie Ancrages die gelebten Realitäten und die geschichtliche Auslöschung der Tirailleurs durch zeitgenössische, kollektive Formen des Gedenkens thematisiert, die ein pluralistisches und inklusives Andenken fördern. Mittels kritischer Stadtrundgänge, Workshops, dokumentarischer Praktiken und zivilgesellschaftlichem Engagement hinterfragt Ancrages das whitewashing der Geschichte und bekräftigt das Motto des Vereins: „C’est par le récit que nous existons et que nous nous désignons au monde“ („Durch das Erzählen existieren wir und machen uns der Welt bekannt“). Diese Überzeugung steht im Einklang mit einem Gedanken Frantz Fanons, den er in Die Verdammten dieser Erde (1961) zum Ausdruck brachte: „Jede Generation muss in einer relativen Finsternis ihre Mission entdecken und sie entweder erfüllen oder verraten.“