Gewaltsame Begegnungen: Überlegungen zu Kriegserfahrungen und Geschlecht
George Njung
Keynote-Vortrag
Mit einer Einleitung von Qu Chang
Sa., 13.6.2026
16:30–18:00
Safi Faye Saal
Auf Englisch
Eintritt frei
Diese Keynote betrachtet den Krieg nicht als eine Geschichte von Schlachten und Helden, sondern als ein dichtes Feld menschlicher Erfahrungen, das von imperialer Aggression, Geschlechterverhältnissen, Zwängen und dem Kampf ums Überleben geprägt ist. Ausgehend von seinem in Kürze erscheinenden Buch über die Geschichte des Ersten Weltkriegs in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun betrachtet George Njung die Geschichte von Krieg und gewalttätigen Auseinandersetzungen aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive. Er zeigt auf, wie der Krieg das Alltagsleben neu strukturierte, indem er die tradierten Rollen, Verletzlichkeiten und Selbstwirksamkeiten von Männern und Frauen ebenso wie von ganzen Communitys veränderte.
Die Keynote stellt kolonisierte Soldaten in den Mittelpunkt einer globalen Geschichtserzählung, die vom transatlantischen Sklavenhandel über die Weltkriege bis hin zu den militarisierten Arbeitsnetzwerken der Gegenwart reicht. So hinterfragt Njung die verschwommenen Grenzen zwischen Militärdienst, Aufopferung, Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit und Ausbeutung. Das verdeutlicht, wie Gender die verborgenen Facetten des Krieges offenlegt, etwa die Gewalt jenseits des Schlachtfeldes, die das Imperium stützende geschlechtsspezifische Arbeit und die individuellen Opfer globaler Konflikte. Zu verstehen, wer – und zu welchem Preis – für Europa gekämpft hat, bedeutet, neu zu überdenken, wer zu Europa gehört oder wer Anspruch auf Zugehörigkeit erheben kann.