The Halfmoon Files ist eine filmische und akustische Auseinandersetzung mit den vergessenen Geschichten der Kolonialgefangenen, die während des Ersten Weltkriegs im sogenannten Halbmondlager in Wünsdorf bei Berlin untergebracht waren. Der Filmemacher Philip Scheffner begibt sich auf eine filmische Spurensuche in den Archiven und folgt dabei auch den Erinnerungen der Orte, die sich in Wünsdorf auf mehreren Ebenen überlagern. Dabei stößt er auf Tonaufnahmen, die dort 1916 von deutschen Sprachwissenschaftlern angefertigt wurden, um ein umfassendes Tonarchiv der „Stimmen der Welt“ anzulegen und unter anderem die verschiedenen Sprachen, Dialekte und Gesänge der Kriegsgefangenen zu dokumentieren. 

Ausgehend von der Stimme eines indischen Soldaten rekonstruiert Scheffner die Bedingungen dieser Aufnahmen und fragt danach, wie Geschichte erzählt wird – und wer in ihr gehört wird. In einer essayistischen Montage aus Archivmaterial, beobachtenden Aufnahmen und Interviews macht der Film die kolonialen Machtverhältnisse sichtbar, die hinter diesen wissenschaftlichen Ansprüchen standen. The Halfmoon Files basiert damit nicht nur auf einer künstlerischen und zeitgeschichtlichen Recherche, sondern macht auch auf die Lücken und Gespenster der Geschichte aufmerksam – auf Stimmen, die aufgezeichnet wurden, deren Geschichten jedoch weitgehend verschwunden sind.