Ausgangspunkt für Oscar Ngu Atanga ist das Feld des Auditiven. Er übersetzt Tonfragment aus Archiven, Feldaufnahmen, Kompositionen und Lieder, in Installationen und Live-Performances. Ihn interessiert der Ton als Zeugnis, als Politikum und als Hüter anzestraler Vermächtnisse, verkörpert im Erzählen von Geschichten. Seine Praxis erstreckt sich dabei auf das Arrangement räumlicher Situationen, textile Gestaltungen und Textarbeit. Wax Echoes: Unwritten Notes (2025–2026) widmet sich Tonspuren von Tirailleurs aus Kamerun, Benin und dem Senegal, die sich u. a. im Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin finden. Hier lagern bis heute, geprägt in temperierte Schellackplatten, die Berichte von Tirailleurs aus vormals kolonisierten Ländern in der französischen, britischen und russischen Armee, die im Ersten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft gerieten. Deutsche Wissenschaftler machten die Aufnahmen, um Sprachen zu katalogisieren. Während die Sprecher*innen hier für eine koloniale Wissensproduktion auf phonetische Proben und grammatikalische Exempel reduziert wurden, versucht Ngu Atanga in seiner Arbeit, die historische Verflachung der Stimmen umzukehren. Neu arrangiert und ergänzt um Tonmaterial aus Benin, Senegal und Deutschland, werden die Stimmen in der Mehrkanalinstallation in die Gegenwart überführt, die die menschliche Präsenz im Raum spürbar werden lässt. Das Zuhören kann so zu einem Akt der Zeug*innenschaft werden.

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Oscar Ngu Atanga und HKW, 2025–2026

Werk in der Ausstellung: Wax Echoes: Unwritten Notes (2025–2026), Multi-Kanal-Klanginstallation, Textil, Text. Mit Beiträgen von Elise Agbodegbe (Weberei), Jacopo Biffi (Tontechnik), Anna Diagne (Textdesign), Gaëlle Dogo und Pascal Tohouedo (Schneiderei), Papi Ndoye und Akele Wéwé Tatchéyon (Übersetzung). Courtesy Oscar Ngu Atanga, Archivmaterial Courtesy Fondation Zinsou Benin (mit Dank an Halima Moumouni und Laura Fagbohoun) und Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin