Mesdames Tirailleurs
Matilda TheeGreat
Poetry Performance
Mit einer Einleitung von Dzekashu MacViban
Sa., 13.6.2026
18:00–19:00
Forough Farrokhzad Garten
Auf Englisch
Eintritt frei

Matilda TheeGreat. Bild: courtesy the artist
Die Geschichtsschreibung gibt Kriege allzu oft anhand militärischer Erzählungen wieder, die den Sieg und territoriale Eroberungen in den Vordergrund stellen. Das Alltagsleben der Menschen während bewaffneter Konflikte wird oft übersehen. Zu ihnen gehören die als Mesdames Tirailleurs bekannten Frauen – Lebensgefährtinnen, Ehefrauen und Verwandte von Soldaten aus West- und Nordafrika, die vom französischen Imperium während des Ersten und Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurden. Diese Frauen durchquerten fremde Landschaften, pflegten Verwundete, fungierten als Übersetzerinnen und transportierten Vorräte. Über die praktische Arbeit hinaus pflegten sie Beziehungen und bewahrten unter äußerst prekären Bedingungen ihre Würde. Dennoch tauchen ihre Namen in den offiziellen Aufzeichnungen jener Zeit kaum auf.
Mesdames Tirailleurs verleiht den Nachfahr*innen eine Stimme, die weiterhin ein Andenken und Reparationen fordern. Das Werk von Künstlerin und Aktivistin Matilda TheeGreat greift ebenso die Erfahrungen ihres Großvaters Ben Makgate (Korporal N437), eines Tirailleur aus Südafrika, sowie die aus der Geschichtsschreibung ausgelöschten Erlebnisse afrikanischer Soldaten auf, die nach der Belagerung von Tobruk im Jahr 1942 gefangen genommen wurden. Viele von ihnen wurden hingerichtet, andere von ihnen starben später während des brutalen „Todesmarsches“ durch Europa im Jahr 1943. Ausgehend von Tagebucheinträgen ihres Großvaters versucht Matilda TheeGreat im Rahmen der Performance, ihre Biografien und Entbehrungen zu würdigen, nachdem sie lange Zeit aus den vorherrschenden geschichtlichen Erzählungen ausgeschlossen waren.
Die Veranstaltung ist von von Saidiya Hartmans Konzept der „kritischen Fabulation“ inspiriert und vereint Lyrik, Performance und spekulatives Storytelling miteinander, um diesen narrativen Auslassungen einen Raum zu geben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Perspektiven von Frauen. Die Zuschauer*innen sind eingeladen, gemeinsam mit der Darstellerin durch das HKW zu wandern und die Ausstellungsräume zu durchqueren, während sich Stimmen und Erinnerungen im Dialog mit den ausgestellten Werken entfalten.