Juan-Pedro Fabra Guemberena

Juan-Pedro Fabra Guemberena, Trópico de Cáncer (2026)
In den späten 1970er Jahren flüchtete Juan-Pedro Fabra Guemberena mit seiner Familie vor der Militärdiktatur Uruguays nach Schweden – eine Erfahrung, die Ausgangspunkt seiner vielfältigen künstlerischen Praxis werden sollte. In Fotografien, Skulpturen, multimedialen Kunstwerken und Interventionen im öffentlichen Raum verhandelt er Krieg und andere Formen institutioneller und systemischer Gewalt. Ein wiederkehrendes Medium bei ihm sind Banner für Kampagnen, woran auch die drei Fahnen mit riesigen Lettern und farblichen Kontrasten auf der Dachterrasse des HKW erinnern. Doch was wird hier „beworben“? Trópico de Cáncer (2026) bezieht sich auf den geografischen Breitenkreis nördlich des Äquators, der die Grenzlinie für den Verteidigungsbereich der NATO und somit eine kategoriale Trennung zwischen ‚schützenswertem‘ und ‚entbehrlichem‘ Leben darstellt. Unbekannt (2026) verweist zum einen auf die namenlos begrabenen Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Deutschland, zum anderen auf die offizielle Zahl der Menschen, die weltweit täglich durch Waffen der Firma Heckler & Koch verletzt oder getötet werden. Die oben erwähnten Flaggen wiederum stellen mit dem titelgebenden Schriftzug In this war your uniform will be your skin and you cannot take it off (2026) die Frage nach individuellem Verlust angesichts des Krieges. Von der geopolitischen über die nationale bis hin zur körperpolitischen Ebene macht Guemberena die Skalierbarkeit von Gewalt und Unterdrückung deutlich. Die Flaggen weiten die Ausstellung auf den Außenraum des HKW aus und markieren, wie die in der Ausstellung thematisierten Konflikte bis in die unmittelbare Gegenwart wirken und Verantwortung fordern.
Werke in der Ausstellung: Trópico de Cáncer (2026) Flagge, 450 × 700 cm; Unbekannt (2026), Flagge, 450 × 700 cm; In this war your uniform will be your skin and you cannot take it off (2026), Flagge, 450 × 700 cm. Alle Courtesy Juan-Pedro Fabra Guemberena und V. Ankarcrona