Félix Vallotton machte sich ab Ende der 1890er Jahre in Paris mit seinen Holzschnitten und Gemälden einen Namen. 1892 wurde er Mitglied der symbolistischen Gruppe Les Nabis, um die Jahrhundertwende leistete er einen Beitrag zur postimpressionistischen Malerei. Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich sein Werk, als er die neuen Realitäten dokumentierte und reflektierte. In seiner Holzschnittserie C‘est la Guerre (Das ist der Krieg, 1915–1916) verurteilte Vallotton die Brutalität des Krieges in Motiven wie verwüsteten Landschaften, Explosionen und verwundeten Menschen. 1917 ging er als ‚freiwilliger Künstler‘ an die Front und dokumentierte für den französischen Staat das Leben in den Schützengräben im Nordosten Frankreichs. Ziel war, eine Sammlung historischer Gemälde zu schaffen. Vallottons Tagebuch bezeugt seine kritische Haltung zur vermeintlichen Bedeutung der Kunst in diesem Kontext: „Was bedeutet die Malerei, während Menschen leiden und kämpfen?“ Aus dieser Erfahrung heraus entstanden vierzehn Gemälde, von denen zwei als Reproduktionen am HKW zu sehen sind. Sie belegen das Engagement des Künstlers für das Leben und die Opfer der Tirailleurs. Während Soldats sénégalais au camp de Mailly (Senegalesische Soldaten im Camp de Mailly, 1917) sie in einem ruhigen Moment festhält und dabei eher ihre Kameradschaft als die für koloniale Lagerbilder charakteristische disziplinarische Kontrolle in den Vordergrund stellt, zeigt Cimetière militaire de Châlons-sur Marne (Friedhof von Châlons-sur-Marne) zahlreiche Reihen von Gräbern, auf denen keine Namen zu lesen sind. Das Gemälde aus dem Jahr 1917 ist ein Zeugnis der unzähligen Opfer unbekannter Soldat*innen während des noch tobenden Krieges. 

Werke in der Ausstellung: Soldats sénégalais au camp de Mailly (1917), Öl auf Leinwand, 64,8 × 96 cm, Reproduktion (Original 54 × 80 cm). Collection La Contemporaine / BDIC_OR_F1_000060; Cimetière militaire de Châlons-sur-Marne (1917), Öl auf Leinwand, 55,2 × 66 cm, Reproduktion (Original 46 × 55 cm). bpk / GrandPalaisRmn / René-Gabriel Ojéda