Camp de Thiaroye, ein Meilenstein des afrikanischen Kinos, erzählt von einem weitgehend verdrängten Kapitel der kolonialen Geschichte Frankreichs. Im Mittelpunkt stehen westafrikanische Soldaten, die sogenannten Tirailleurs sénégalais, die während des Zweiten Weltkriegs in der französischen Armee gegen die Nazis gekämpft haben. Nach Kriegsende kehren sie in ein Militärlager in Thiaroye bei Dakar zurück und warten auf ihre ausstehenden Soldzahlungen sowie auf die Rückkehr in ihre Heimatorte. Als sie beginnen, gegen die Ungleichbehandlung und die ausbleibende Bezahlung zu protestieren, reagiert die französische Militärführung mit massiver Gewalt. 

Der Filmemacher Ousmane Sembène, der selbst für eine Zeit als Tirailleur rekrutiert wurde, rekonstruiert in Camp de Thiaroye die Ereignisse rund um das historische Massaker von Thiaroye im Jahr 1944 und verbindet politische Analyse mit eindringlichen Figurenporträts. Mit seiner kritischen Darstellung kolonialer Machtstrukturen sowie der Ungleichbehandlung und Demütigung westafrikanischer Soldaten gehört Camp de Thiaroye zu den wichtigsten Filmen des antikolonialen Kinos Afrikas. 

Der Film wurde 1988 von den Internationalen Filmfestspielen von Cannes abgelehnt, im selben Jahr jedoch bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet. Lange Zeit war er in Frankreich verboten und insgesamt nur eingeschränkt zugänglich – unter anderem auch deshalb, weil ein Schweizer Verleiher die europäischen Rechte für die nächsten zehn Jahre gekauft hatte, nicht um den Film zu zeigen, sondern um sicherzustellen, dass er vollständig blockiert bleibt. 

Restauriert vom World Cinema Project der Film Foundation und der Cineteca di Bologna im Labor L’Immagine Ritrovata in Zusammenarbeit mit dem tunesischen Ministerium für Kultur und dem senegalesischen Ministerium für Kultur und historisches Erbe. Besonderer Dank gilt Mohammed Challouf. Die Restaurierung wurde gefördert von der Hobson/Lucas Family Foundation. Diese Restaurierung ist Teil des African Film Heritage Project, einer Initiative des World Cinema Project der Film Foundation, der Pan African Federation of Filmmakers und der UNESCO – in Zusammenarbeit mit der Cineteca di Bologna – zur Recherche, Restaurierung und Verbreitung afrikanischer Filme.