Binta Diaw

Binta Diaw, 1.12.44-1, Les tirés ailleurs, Ausstellungsansicht, ChertLüdde/Bungalow, Berlin, 2022. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy Binta Diaw und ChertLüdde
Binta Diaws Praxis fußt auf intersektionalen Methoden, die in ihrer Auseinandersetzung mit sozialen Phänomenen wie Migration, Identität und dem Schwarzen Körper im westlichen Kontext verwendet werden. Sie verwendet natürliche und alltägliche Materialien wie Erde, Kreide, Seil und Kunsthaar. Dabei stellen ihre Arbeiten oftmals die Spannung zwischen Sichtbarkeit und Prozessen der Auslöschung in den Vordergrund und zeigen, wie prekär die Präsenz Schwarzer Menschen in institutionellen und architektonischen Räumen ist. Die in der Ausstellung präsentierte Installation aus Erde, Pflanzen und einem senegalesischen Hut trägt den Titel 1.12.44-1 – Édition 1/3 (2021). Das Datum bezieht sich auf das Massaker am Camp de Thiaroye am 1. Dezember 1944, als französische Kolonialtruppen in einem Lager in der Nähe von Dakar auf senegalesische Soldat*innen schossen, die im Zweiten Weltkrieg für Frankreich gekämpft hatten und nun wegen ausstehender Löhne und gegen schlechte Lebensbedingungen protestierten. Die Installation breitet sich aus dem Inneren der Mrinalini Mukherjee Halle bis in den Außenbereich des Forough Farrokhzad Gartens aus. Mit der vertikalen Typologie des Titels verweist Diaw auf die vielen unbekannten Grabstätten der Opfer des Massakers und spielt auf eine Zahlenkolonne an, die an die anhaltenden und kontrovers diskutierten Kalkulationen der Opferzahlen dieses Tages erinnert.
Werk in der Ausstellung: 1.12.44-1 - Édition 1/3 (2021), Erde, Ton, Maispflanzen, typische Kopfbedeckung der Tirailleurs Sénégalais. Courtesy Binta Diaw