Die Performance The Color Scheme der Künstlerin und Autorin Aria Dean spielt kurz nach dem Ersten Weltkrieg im Berliner Tiergarten und stellt einen Dialog zwischen zwei afroamerikanischen Exilanten – dem Dichter und dem Philosophen – dar, wobei ihr Treffen im Park zu einer umfassenderen Reflexion über die Beziehung zwischen der Ästhetik der Schwarzen Avantgarde und den aufkeimenden politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts wird. Das von der Hartwig Art Foundation und Performa in Auftrag gegebene Werk feiert seine Premiere im europäischen Kontext in der Nähe des tatsächlichen Schauplatzes der Handlung, der historischen Siegesallee, und wird im Rahmen des Abschlusswochenendes der Ausstellung Tirailleurs: Trials and Tribulations. From Cannon Fodder to Avant-Garde—The Forgotten Soldiers Who Freed Europe im Haus der Kulturen der Welt (HKW) präsentiert.

Nur wenige Schritte vom heutigen HKW entfernt bieten die historischen Statuen von Kant und Goethe Dean die Gelegenheit, nationalistische und imperiale Denkmäler kritisch zu hinterfragen, und dienen als Kulisse für das Date der Figuren. Angelehnt an eine tatsächliche Begegnung zwischen dem Philosophen Alain Locke und dem Dichter Claude McKay verzichtet Dean auf eine Heroisierung, indem sie ihre Figuren namenlos lässt und sie als Mittel einsetzt, um einen Konflikt zwischen politischen und ästhetischen Perspektiven zu untersuchen. Ihre Meinungsverschiedenheiten – über Nationalismus, die Rolle der Kunst und die politischen und ökonomischen Veränderungen, die nötig sind, damit das Leben lebenswert wird – stehen im Kontrast zum monumentalen historischen Anspruch bei der Gestaltung des Tiergartens. In den 1920er Jahren diente der Park als Kulisse für preußische imperialistische Narrative – und war zugleich ein zentraler Treffpunkt für Berlins sexuell vielfältige Szene. Die Spannungen in der Geschichte werden durch die Darstellung der Siegesallee noch verstärkt – jenem von Kaiser Wilhelm II. angelegten Boulevard, der mit monarchistischen Skulpturen geschmückt war, später von den Nazis verlegt wurde, um Platz für große Militärparaden zu schaffen, und schließlich nach dem Krieg vollständig eingeebnet wurde. Dean hat die verbliebenen, zerbrochenen Statuen, die sich derzeit in der Zitadelle Spandau befinden, per 3D-Scan erfasst, damit Produktionsdesigner Filip Kostic den Park im Zustand des Jahres 1923 digital rekonstruieren konnte.

Begleitet von einer Komposition von Evan Zierk mit Intonarumori – den experimentellen Geräuschmaschinen, die der italienische Futurist Luigi Russolo erfunden hat – entsteht ein theatralischer Raum, in dem Geschichte, Form und Spekulation aufeinandertreffen. Die Theaterbühne dient gleichzeitig als Filmkulisse: Die Schauspieler*innen werden in Echtzeit in der virtuellen Nachbildung des Tiergartens erfasst, und diese Aufnahmen werden zugleich live auf die Bühne projiziert. Dadurch wird die Gegenwart in einen historischen Rahmen eingebettet, in dem sich die „Wahrheit“ der Begegnung als projiziertes Bild offenbart. Weit entfernt von einer makellosen Darstellung sprengt The Color Scheme die Trümmer der Geschichte, die das Hier und Jetzt überfluten.

Regie / Drehbuch: Aria Dean  
Der Dichter: Jordan Coley  
Der Philosoph: Zaid Arshad  
Komponist: Evan Zierk  
Musik: Seany Nuelle, Ben Cohen  
Kamera: Alex Huggins  
Kameraleute: Rhys Scarabosio, Owen Smith Clark  
Virtuelles Produktionsdesign: Filip Kostic  
Technische Leitung: Theresa Tomi Faison  
Kostümdesign: Natasha Simchowitz  
Produktion: Vic Brooks
Co-Produktion: Andy Rickert
Regieassistenz: Nina Diwan