Abrie Fourie

Abrie Fourie, Former 32 Battalion Military Base (SADF), Bwabwata National Park, Namibia (2024). Courtesy Abrie Fourie
Abrie Fourier versteht seine Arbeit als Archiv des Gedenkens. Er nutzt Fotografie und seit Kurzem auch Ton, um zu erkunden, inwieweit ein Ort mehr in sich trägt als das, was zu sehen ist. Mit Tacit Consent: Archive of a Conscripted Mind—Seeing with a Listening Ear (2024–2026) kehrt Fourie an die Orte Namibias zurück, die er als 18-jähriger Wehrpflichtiger in der südafrikanischen Luftwaffe während der späteren Phase des namibischen Unabhängigkeitskrieges zum ersten Mal sah. Obwohl dieser Krieg meist als regionaler Konflikt dargestellt wird, waren auch kubanische, ostdeutsche, russische, US-amerikanische und portugiesische Kräfte beteiligt. Sie trugen den Kalten Krieg in einem 24-jährigen Stellvertreterkrieg aus, der erst mit der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 endete. Bei seinem erneuten Besuch des einst militarisierten Gebiets legt Fourie die Tiefe dieses Geotraumas in künstlerischer Form offen. Während einige Bilder verschwimmen, sind andere scharf konturiert, das Andenken oszilliert zwischen dem klar Umrissenen und dem Ungreifbaren. Sein Dienst in einem ihm unverständlichen Krieg in einem fremden Land wirft die Frage der Mittäterschaft auf. Sie gemahnt an die Geschichten anderer junger Soldaten, die für geopolitische Zwecke eingezogen wurden – darunter auch die Tirailleurs. Auf einer 4.000 Kilometer langen Reise durch Namibia fotografierte Fourie Landschaften und Architektur, fertigte Feldaufnahmen an und sprach mit Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden. Der daraus resultierende Dialog zwischen Bildern und vielschichtigen Klanglandschaften verwandelt das Werk von einer bloßen Erinnerung in eine Bestandsaufnahme: Das Andenken an den Krieg bleibt nicht nur in dem bestehen, was zu sehen ist. Es wirkt auch im Überleben und in der Lebendigkeit der Natur, die geblieben ist, fort.
Werk in der Ausstellung: Tacit Consent: Archive of a Conscripted Mind—Seeing with a Listening Ear (2024–2026), Mehrkanal-Klanginstallation, 27', handgedruckte C-Prints, Schwarz-Weiß-Fotografien auf Barytpapier, doppelseitig bedruckter, hängender lichtundurchlässiger Stoff, 12 je 40 × 60 cm und 2 je 225 × 150 cm. Courtesy Abrie Fourie. Die Recherche für Tacit Consent wurde durch den Gwaertler Grant ermöglicht. Der Künstler dankt Aimée Lehmann und Dr. Johannes Lehmann