Aus Paris kommt das algerisch-libanesische Duo Kabylie Minogue – Kheireddine Bouteraa und Jad Benyahia –, das sich seit 2018 in der französischen Hauptstadt einen Namen gemacht hat, ohne sich auf eine Kategorie festlegen zu lassen. Ihr Pseudonym ist ein Wortspiel: Kabylie für die amazigh-sprachige Region im Norden Algeriens, Minogue für Kylie. Was klingt wie ein Witz, ist eine programmatische Haltung. Die Schublade, in die DJs maghrebinischer Herkunft oft gestellt werden, lehnen sie ausdrücklich ab: man könne ihren Sets ebenso einen Remix von Oum Kalthoum entnehmen wie einen von Britney Spears, sagen sie, weil die Trennung der musikalischen Welten ein Trugbild ist. Ihr Sound bewegt sich zwischen Raï, klassischer arabischer Musik, kabylischen Gesängen, türkischen und libanesischen Klassikern und treibendem House. Im Programm dieses Abends finden sie ihren konsequenten Platz: zwischen Hassan Boussous Marrakecher Gnawa mit Aly Keïta am Balafon, dem Flamenco Moro von Alaa Zouitens Aficionado und dem Panel „Faiths Intertwined“ geht es an diesem Tag immer wieder um dieselbe Frage – was passiert, wenn die Grenzen, die im 20. Jahrhundert um Traditionen gezogen wurden, wieder geöffnet werden.