In ihrer für die 36. Bienal de São Paulo entwickelten Installation Sange khara (Harter Stein, 2025), entwirft Laila Hida eine Landschaft, in der Erinnerung nicht erzählt, sondern umkreist wird, zaghaft, tastend und mit der Schwere von etwas Heiligem und Halbvergessenem. Das Projekt erkundet Bilder einer rekonstruierten Erinnerung, die in einem 16-Millimeter- Film innerhalb einer immersiven Installation sichtbar werden. Darin kreuzen sich Figuren und Bildmotive zu einem Geflecht aus ikonografischen und filmischen Referenzen, wie der jungen Frau aus Nacer Khemirs The Wanderers of the Desert (1984), oder dem Paar aus Bernardo Bertoluccis The Sheltering Sky (1990). Zwei junge Männer fahren mit ihren Fahrrädern und posieren auf einer unbefestigten Straße, als wären sie eben einem Rap-Video entsprungen. Das Video bewegt sich in einer Schleife ineinander verwobener Bilder, von denen eines in das nächste übergeht. Die szenografischen Elemente und das Layout lassen an Schattenräume und Wüstenarchitektur denken, in denen jedes Detail funktional ist und zugleich eine ruhige, bewusste Ästhetik ausstrahlt. Hida beschäftigt sich seit langem damit, wie Erinnerung und Sehnsucht in Fragmenten, Bildern, Objekten und Gesten überleben, die sich zwischen Fakt und Fiktion bewegen. Hier schafft sie einen Raum, in dem sich Handlung, Glauben und Deutung nicht mehr fassen lassen. Was bleibt, sind klangliche Rückstände, atmosphärische Strömungen, handgemachte Hinweise. Der Film verweist auf die Erfindung von Landschaften, Sahara-Durchquerungen und postkolonialen Vorstellungswelten, tut dies jedoch mit stiller Beharrlichkeit und ohne jedes Spektakel. Die Installation verlangt weniger danach, verstanden, als vielmehr bewohnt zu werden. Bedeutung wird nicht benannt; man stolpert hinein. Oder vielleicht ist sie, wie die Kreise im Sand, etwas, das sich erst im Zurückkehren erkennen lässt.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

Sange khara (2025), Installation aus zwei Videos, Stoff und szenografischen Elementen, 12′, Maße variabel. Courtesy Caravane Tighmert, Jeu de Paume und LE 18. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal, Teilnahme in São Paulo mit Unterstützung des Institut français und dessen IF-Incontournable-Programm, adaptiert für das Haus der Kulturen der Welt (HKW)